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RNZ: Im Spagat - Kommentar zu Obamas Afghanistan-Strategie

    Heidelberg (ots) - Von Christian Altmeier US-Präsident Barack Obama probt den Spagat. Einerseits folgt er den Forderungen des Militärs und stockt die Truppen in Afghanistan deutlich auf. Andererseits will der Friedensnobelpreisträger aber auch die Kriegsgegner in seiner eigenen Partei zufrieden stellen, die einen schnellen Abzug der US-Truppen fordern. Das Ergebnis ist wenig überzeugend. Zwar ist es Obamas Vorgänger George W. Bush im Irak gelungen, das Blatt durch eine massive Truppenverstärkung zu wenden. Doch war dieser Einsatz auch nicht mit einem Ablaufdatum behaftet. Indem Obama den Beginn des Rückzugs aus Afghanistan für das Jahr 2011 verspricht, gibt er den Taliban einen Termin an die Hand, zu dem diese sich auf neue Offensiven vorbereiten können. Auch werden die Stammesführer nicht mit den internationalen Truppen zusammenarbeiten, wenn sie befürchten müssen, in 18 Monaten ohne deren Schutz dazustehen. Ein weiteres Manko ist der afghanische Präsident Hamid Karsai. Dessen korrupte und in weiten Teilen des Landes nicht anerkannte Regierung wird auch mit den bis dahin ausgebildeten Polizei- und Armeeeinheiten nicht in der Lage sein, Afghanistan zu befrieden. Obama wird sich 2011 also überlegen müssen, ob er das Land erneut den Taliban überlässt - oder die US-Truppen länger bleiben. In beiden Fällen wäre es besser gewesen, er hätte die Entscheidung jetzt schon getroffen.

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