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RNZ: Zur falschen Zeit - Kommentar zur Abzugsdebatte aus Afghanistan

    Heidelberg (ots) - Von Christian Altmeier Viele Deutsche wünschen sich ein Ende des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan ebenso herbei, wie Frank-Walter Steinmeier ein zugkräftiges Wahlkampfthema. Nicht anders ist es wohl zu erklären, dass der SPD-Kanzlerkandidat zwei Wochen vor der Wahl einen Zehn-Punkte-Plan für das Engagement am Hindukusch präsentiert, der einen Abzug ab 2011 fordert. Dabei deutet derzeit nichts darauf hin, dass die Lage in Afghanistan dies ermöglichen würde. Zwar ist der Vorstoß Steinmeiers, die Ausbildung afghanischer Polizisten zu intensivieren, richtig. Doch benötigt eine solide Ausbildung Zeit - ebenso wie die Auswahl geeigneter Kandidaten. Indem der Außenminister den Plan für einen Abzug aus Faisabad im Jahr 2011 konkret benennt, fordert er zudem neue Anschläge dort heraus. Denn wie soll man den Soldaten erklären, dass sie ihr Leben an einem Ort riskieren sollen, den sie wenige Monate später ohnehin verlassen? Auch die afghanische Bevölkerung wird sich nicht mit ausländischen Truppen solidarisieren, deren Aufenthalt klar begrenzt ist. Zu groß ist die Angst, dass anschließend die Taliban alle Kollaborateure hinrichten. Natürlich kann und muss die Politik den Einsatz in Afghanistan immer wieder kritisch hinterfragen. Doch benötigt ein derart heikles Thema eine sachliche und überlegte Debatte. Die heiße Phase des Wahlkampfes ist dafür die falsche Zeit.

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