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Westfalen-Blatt: zu Peter Tauber

Bielefeld (ots) - Normalerweise ist Peter Tauber als CDU-Generalsekretär nicht mehr zu halten. Angela Merkel müsste ihn entlassen oder ihm den Rücktritt nahelegen. Und zwar so schnell wie möglich - wenn in elf Wochen nicht gewählt würde. »Wenn Sie etwas Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.« Wer in dieser Funktion unmittelbar nach der Präsentation des Wahlprogramms seiner Partei so eine Aussage macht, ist für den Job ungeeignet. Solch einen Fehler macht ein Generalsekretär nicht. Und Tauber ist nicht zum ersten Mal auffällig geworden. Es gab die Mobbingvorwürfe aus seinem hessischen Heimatwahlkreis, die angebliche Affäre mit der Berliner CDU-Frau Jenna Behrendts und die deftige Beleidigung der Gegner von Merkels Flüchtlingspolitik. Taubers Satz steht im Raum - und vor allem im Netz. Sein Versuch einer Entschuldigung ist ziemlich halbgar. Nun ist die Kanzlerin nicht dafür bekannt, sich von Ministern, Staatssekretären oder anderem politischen Personal spontan zu trennen. Ob Karl-Theodor zu Guttenberg, Annette Schavan oder Hans-Peter Friedrich - die Rücktritte in der Ära Merkel waren zähe Angelegenheiten. Und manche in der CDU hätten lieber andere gehen sehen, allen voran die umstrittene deutsch-türkische Integrations-Staatsministerin Aydan Özuguz (SPD). Man kann der Ansicht sein, dass Taubers Twitter-Fauxpas keine weiteren Folgen hat und der CDU nicht schadet. Erstens hat der Generalsekretär nicht mehr so viel zu sagen, weil Kanzleramtsminister Peter Altmaier den Wahlkampf verantwortet. Und zweitens vergehen Aufregung und Empörung nach skandalösen Tweets in der Regel relativ schnell - so wie beim SPD-Bundesvize Ralf Stegner, der die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg mit der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe verglich. Man kann aber auch der Ansicht sein, dass die SPD den Fehler nutzen könnte. Welch eine Steilvorlage für Martin Schulz und seinen bislang nicht zündenden Gerechtigkeitswahlkampf. In der Mitte der Gesellschaft hat die Kampagne bislang nicht verfangen, weil es in keinem Land vergleichbarer Größe sozial so gerecht zugeht wie bei uns. Daran ändern auch Taubers Worte nichts, aber sie machen eines deutlich: Die Volksvertreter in Berlin und Brüssel sind weit weg von den Alltagsproblemen normaler Leute. Wenn Tauber den umständlich klingenden CDU-Wahlslogan »Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben« vorstellt, wen meint er dann mit »Wir«? Diese Frage drängt sich nach seiner Einlassung auf. Peter Tauber hat das Amt des Generalsekretärs bekommen, um die CDU jünger, weiblicher, ausländischer und urbaner zu machen. In diesen Tagen ist er Schulz' bester Wahlhelfer.

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