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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Detmolder Auschwitz-Prozess

Bielefeld (ots) - Wer ist dieser Reinhold Hanning? An zwölf Verhandlungstagen hat er stoisch geschwiegen. Keine noch so grauenhafte Schilderung konnte ihm eine sichtbare Regung entlocken. Eine direkte Ansprache verbat er sich, Holocaust-Überlebende im Zeugenstand würdigte er keines Blickes. Am 13. Prozesstag zeigte er sich nun reumütig, bat um Verzeihung, sprach vom lebenslangen Verdrängen des Grauens. Laut seiner Schilderung war er in Auschwitz ein Außenseiter, der die Kameradschaft der Frontgemeinschaft vermisste. Er habe niemandem getraut, habe ständig unter disziplinarischem Druck gestanden. Also fremdbestimmt statt selbst Täter? So war es wohl kaum. Aber was tat Hanning in Auschwitz? Dazu sagte er wenig. Wie echt die Reue ist - nur er selbst weiß es. Denn bei dem umstrittenen Verhör im Februar 2014, das die Verteidigung als Beweismittel nicht verwertet wissen will, klang das alles noch ganz anders: nichts gehört, nichts gesehen, nichts getan. Menschen können sich ändern - auch wenn sie 94 sind. Das Gericht hat jetzt die schwierige Aufgabe abzuwägen, inwieweit Hannings Einlassungen glaubhaft sind. Diese könnten strafmildernd wirken. Denn eines ist sicher: SS-Unterscharführer Reinhold Hanning hat sich schuldig gemacht.

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