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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum G7-Gipfel

Bielefeld (ots) - Ein Gipfel auf 1000 Metern Seehöhe ist in den Alpen wahrlich keine große Sache. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben größten demokratisch und rechtsstaatlich verfassten Wirtschaftsnationen ist dagegen das wichtigste politische Ereignis des Jahres in Deutschland. Gastgeberin Angela Merkel überlässt nichts dem Zufall. Im Zeitalter des Highspeed-Datenaustausches setzt sie auf das gute alte Kamingespräch vor Postkartenkulisse. Nicht Ergebnisse, gar die Lösung globaler Probleme, sondern der offene Austausch und auch Disput auf aller höchster Ebene wird seit 40 Jahren gepflegt - und ist unersetzlich. Die Kosten sind unvermeidlich - nicht nur aus Gründen der Sicherheit für die sechs hohen Herren am Tisch der mächtigsten Frau der Welt. Die Sieben dürften ein weniger aufwändiges Treffen sogar vorziehen. Urige Hütten für heimelige Wochenenden gibt es am Rande des Wettersteins genug. Der friedliche und argumentativ starke Gegengipfel der Globalisierungsgegner zuvor in München sollte als gutes Omen zum Auftakt gewertet werden. Jenseits radikaler Rhetorik wissen auch die Demonstranten für Gerechtigkeit und faire Chancen auf der ganzen Welt, dass ihre Ziele bei westlichen Staatschefs besser aufgehoben sind als bei Russland, China und vielen anderen Präsidenten vom Schlage eines Sepp Blatter. Angela Merkel wird ihr Gespräch mit Barack Obama nutzen, die rechtswidrigen Spähaktionen der USA mit deutlichen Worten anzusprechen, aber kaum darüber öffentlich berichten. Es ist gut, dass sich die Europäer mit den USA, Kanada und Japan abstimmen. Vom Ukraine-Konflikt, über den IS-Vormarsch und die Klimafrage bis zu den Seuchenzügen durch Afrika gibt es viel Abstimmungsbedarf. Bei kommenden Konferenzen außerhalb der G7 sitzen wieder Diktatoren und korrupte Potentaten mit am Tisch. Das gilt sogar, wenn auf UN-Ebene das letzte Wort gesprochen wird. Beispiel Ebola: Die tödliche Krankheit ist direktes Ergebnis staatlichen Versagens. Es fehlt an grundlegender Gesundheitsversorgung nicht nur in den drei am stärksten betroffenen Ländern, sondern auf dem gesamten Kontinent. Dabei hat es jahrzehntelang Angebote der Weltgesundheitsorganisation und der Entwicklungshilfe (überwiegend aus den G7-Ländern) gegeben. Lungenentzündung, Durchfall und Malaria enden für sechs Millionen Kleinkinder pro Jahr mit dem Tod. Das wäre anders, wenn nicht zu viele Regierungen ihre eigenen Länder ausraubten. Der Gipfel in Elmau muss Signale setzen für die noch in diesem Jahr folgenden Gipfel in Addis Abeba, New York und Paris. Das große Ziel ist eine globale Agenda, um Hunger und Armut bis 2030 massiv zu reduzieren, zugleich aber Klima und Weltwirtschaft im Einklang zu halten.

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