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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Ebola

Bielefeld (ots) - Einem Sterbenden nicht die ausgestreckte Hand zu halten, das ist derzeit die wohl schwerste Entscheidung für die Helfer im Kampf gegen den Ebola-Ausbruch in Westafrika. Ärzte und Pfleger werden in jüngster Zeit selbst mehr und mehr zum Opfer der meist tödlichen Ansteckungskrankheit Am Dienstag starb Sheik Umar Khan, ein in Sierra Leone als Held gefeierter Ebola-Arzt, bevor er nach Deutschland verlegt werden konnte. Wir können die Gefahren von TBC, HIV-Aids und vielen anderen schwer heilbaren Fieberkrankheiten auf dem schwarzen Kontinent nicht stoppen. Aber: Die Möglichkeit einer intensivmedizinischen Behandlung zumindest infizierter Helfer in Europa wäre ein wichtiges Signal an Hunderte, die in Guinea, Sierra Leone und Liberia ihr Leben aufs Spiel setzen. Dabei stoßen sie auf fehlende Kooperation der Bevölkerung. »Da haben Sie keine Chance«, sagt Prof. Stefan Günther, Leiter der Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Zum ersten Ausbruch kam es 1976 am Ebola-Fluss im Kongo und im Sudan. 1996 starben 2000 Menschen in Zentralafrika. Die Weltgesundheitsorganisation hat inzwischen knapp zwei Dutzend Seuchenzüge in Afrika gezählt. Dennoch sind die Menschen im Westen des Kontinents selbst nach vier Jahrzehnten nicht über Ebola informiert. Infizierte flüchten aus Krankenstationen, Angehörige umarmen verstorbene Opfer. Dabei ist die jüngste Epidemie nur zu stoppen, wenn Kranke isoliert und Kontaktpersonen lückenlos erfasst werden. Experten halten eine Eindämmung immer noch für möglich, wissen aber nicht, wie viele Menschen noch sterben müssen, bis Aberglauben und Unwissenheit, zwei wahrlich andere Seuchen, überwunden sind. Hilfsorganisationen fordern deshalb sofortige, global abgestimmte Gegenmaßnahmen. Betroffene Regionen müssten besser kontrolliert und so Ansteckungswege unterbrochen werden, heißt es zum Beispiel bei Plan International. Vor allem das jüngste Auftauchen des Virus in Nigeria (ein Fall), dem bevölkerungsreichsten Land Westafrikas, muss überall die Alarmglocken schrillen lassen. Katastrophenschutz-Experte Dr. Unni Krishnan: »Ebola ist nicht mehr nur ein regionales Problem, das Virus ist zu einer medizinischen Krise von weitreichendem Ausmaß geworden. Jetzt muss die internationale Gemeinschaft dagegen vorgehen, ehe es zu spät ist.« Am Ende sind es fehlende Bildung und Armut, die Afrika im Elend halten. Für manche sei Ebola nahezu etwas Übernatürliches, sagt Michel Van Herp von Ärzte ohne Grenzen: »Sie sind davon überzeugt, dass, wenn man 'Ebola' laut ausspricht, es dann auch auftritt.« Gegen Vodoo und Aberglauben ist kein Kraut gewachsen. Sie sprießen solange, wie unfähige Regierungen Hygiene und Gesundheitsschutz nicht als ihre Aufgabe erkennen.

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