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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Anti-Israel-Demonstrationen

Bielefeld (ots) - Bis nach Europa reicht Israels Gaza-Offensive. Tausende demonstrieren auch in Deutschland, vor allem aber in Frankreich gegen den aktuellen Militäreinsatz des jüdischen Staates gegen die Islamisten im Gazastreifen. Dort, wo der Anteil der Muslime an der Einwohnerzahl hoch ist, werden Kundgebungen gegen Israels Gaza-Vorstoß veranstaltet. In Frankreich trifft das auf jede Großstadt zu, in Deutschland in erster Linie auf Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Tausende Demonstranten waren am Wochenende auf deutschen Straßen unterwegs. An der Spitze der Bewegung: die Linke. Wenn Plakate mit Aufschriften wie »Gestern Opfer - Heute Mörder« hochgehalten werden, dann ist Wachsamkeit gefragt. In dem Staat, dessen Vorläufer für die Ermordung von sechs Millionen Juden verantwortlich war, bewegt man sich mit Kritik an israelischer Regierungspolitik auf einem schmalen Grat. Leider war der Grundton der Proteste eher pauschal anti-jüdisch, als dass sich die Kundgebungen gegen Netanjahus durchaus kritikwürdige Regierungskoalition gerichtet hätten. Vor der Demonstration in Essen nahm die Polizei 14 Personen fest, die dort einen Anschlag auf die Alte Synagoge geplant hatten. Seit einigen Tagen wird das als Gedenkstätte genutzte Gebäude bewacht. Am 9. November 2013 hat sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal gejährt. Gut acht Monate später werden auch in Deutschland wieder jüdische Kultstätten attackiert. Im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg hat die Amadeu-Antonio-Stiftung eine Zunahme antisemitischer Vorfälle beobachtet, darunter beschmierte Synagogen in Frankfurt und Dresden. Aus der Geschichte nichts gelernt? Die einheimische Bevölkerung mehrheitlich wohl schon. Wegen des zunehmenden Anteils der muslimischen Bevölkerung in Europa, die sich mit den Palästinensern in Gaza und im Westjordanland solidarisiert, wird es dennoch mehr Demonstrationen gegen Israel geben. Es ist vielleicht die größte Herausforderung der Integration, von muslimischen Zuwanderern zu verlangen, den Holocaust als historische Schuld ihres Gastlandes zu akzeptieren. Immerhin hat die Kanzlerin Israels sichere Existenz zur deutschen Staatsräson erklärt. Das glatte Gegenteil gilt für Recep Tayyip Erdogan. Der türkische Ministerpräsident befeuert die anti-israelische Stimmung - a uch die unter seinen in Deutschland lebenden Landsleuten. Seine Aussagen und Forderungen nach einer Entschuldigung erfüllen den Tatbestand der geistigen Brandstiftung. Wenn Erdogan am 10. August erwartungsgemäß zum neuen Staatspräsidenten gewählt wird, verlangt die zivilisierte Welt von ihm Anfang 2015 eine Entschuldigung ganz anderer Art. Dann nämlich jährt sich zum 100. Mal der türkische Genozid an den Armeniern.

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