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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Genmais

Bielefeld (ots) - Vielleicht ist es das Physikerinnen-Gen, das Kanzlerin Angela Merkel dazu bringt, die Zulassung von gentechnisch verändertem Mais nicht zu verhindern. Oder ein Amerika-Gen macht die CDU-Vorsitzende glauben, sie könne dem Freund jenseits des Atlantiks nicht noch einen Wunsch abschlagen. Auf jeden Fall muss es ein starkes Gen sein. Denn Merkel missachtet den Willen von 88 Prozent der Bevölkerung. Kirchen, Naturschützer, Landwirte und mindestens zwei Koalitionsparteien haben sich gegen Genmais 1507 ausgesprochen. Der Kanzlerin ist es egal. Sich dem vermeintlichen Fortschritt entgegenzustellen, das geht offenbar gegen ihre Gene. Doch was ist das für ein Fortschritt? 1507, ein Produkt des Chemieriesen Pioneer Dupont, ist gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufonisat immun. Daraus folgt: Der Bauer, der 1507 anbaut, kann auf Teufel komm raus spritzen, ohne seiner Anbaupflanze zu schaden. Das Gift tötet aber auch Schmetterlinge, Motten und andere Insekten. In Österreich ist Glufonisat deshalb nicht zugelassen. In der Europäischen Union läuft die bestehende Zulassung 2017 aus. Darüber hinaus wehrt sich Genmais 1507 erfolgreich gegen den gefräßigen Maiszünsler. Eine gute Sache, sollte man denken. Schnell sind Fortschrittsgläubige dabei, nach dem Genmais auch Genreis, Genraps und Gensalat das Wort zu reden. Auch sie sind gegen Glufonisat resistent. Eine gute Sache? Jedenfalls für den weltgrößten Saatgut-Anbieter. Der Landwirt aber, der davon zunächst vielleicht profitiert, begibt sich in eine Abhängigkeit, aus der er sich kaum noch lösen kann. Er hat sich nicht nur beim Pflanzenschutzmittel, sondern auch beim hybriden Saatgut fortan an einen Konzern gebunden. Nach dem gleichen Prinzip verfährt Monsanto. Der Erfinder von Mon 810 baut als einziger in Europa bereits gentechnisch veränderten Mais an - wenn auch nicht in Deutschland. Der US-Konzern war an der Entwicklung und Produktion des in Vietnam eingesetzten hochgiftigen Entlaubungsmittels Agent Orange beteiligt. Deswegen sowie wegen Korruption und falscher Produktdeklaration wurde der Konzern schon mehrfach verurteilt. Noch kann Europa entscheiden, ob es genmanipulierte Pflanzen einführen will oder nicht. Sind jedoch die Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen mit den USA erst einmal zu einem Abschluss gebracht, wird es vermutlich unmöglich sein, dem Willen der Verbraucher und Landwirte noch Gehör zu verschaffen. Vielleicht besinnen sich Berlin und Brüssel noch darauf, dem Volkswillen zu folgen. Mit der Enthaltung der Bundesregierung sind selbst in Sachen 1507 nicht alle Schleusen geöffnet. Viel hängt nun davon ab, dass die Länder die Freiheit erhalten, über das, was auf ihrem Boden angebaut werden darf, selbst zu entscheiden. Hoffentlich verhindert hier nicht ein anderes Gen, etwa das Macht-Gen der Kanzlerin, eine vernünftige Entscheidung.

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