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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Sterbehilfe

Bielefeld (ots) - Politiker sollen sich streiten, solange am Ende ein gutes Ergebnis herauskommt. Das Thema Sterbehilfe ist jedoch denkbar ungeeignet, um im Bundestag die unterschiedlichen Ansichten lautstark vorzubringen. Nicht nur die Volksvertreter müssen, sondern vor allem die Gesellschaft muss sich darüber klar werden, was geht und was nicht. Das Ergebnis der Umfrage überrascht schon: 70 Prozent der Menschen in Deutschland möchten ihr Lebensende selbst bestimmen, wenn sie schwer erkrankt sind. Das heißt konkret: Die große Mehrheit erwartet vom Arzt, dass er dabei hilft, das Leben zu beenden. Darauf werden viele vergebens warten. Denn in Deutschland sehen es die Mediziner als ihre Aufgabe an, das Leben zu schützen und zu erhalten. Wenn Schmerzen unerträglich werden, gibt es medizinische Mittel, um das Leiden zu mindern. Die Umfrage macht aber auch deutlich, dass sich viele Menschen vor einem langen Leiden fürchten. Fast jeder hat es schon in der eigenen Familie erlebt, wie schnell aus einem blühenden Leben ein Dahinsiechen werden kann. Doch für derartige Schicksalsschläge gibt es eben keine Patentlösung. Die Politik kann sich nur um das bestmögliche Ergebnis und um Aufklärung bemühen. Kein Mensch sollte den Wunsch zu sterben verspüren, nur weil er Sorge hat, seinen Angehörigen zur Last zu fallen. Die Palliativmedizin erlaubt es, schwerkranke Menschen in den Tod zu begleiten, ohne dass sie zu große Schmerzen erleiden müssen. Menschen, die sich dennoch den Tod herbeisehnen, wird hierzulande die aktive Sterbehilfe, also das Verabreichen eines todbringenden Medikamentes, verboten. Der SPD-Politiker Franz Müntefering, der die letzten Monate seiner Frau aus der Nähe erlebt hat, warnt vor einer Legalisierung dieser Form der Sterbehilfe. Schon die Diskussion darüber sei »hochgefährlich« und »verberge Abgründe«. Sein Gegenvorschlag: »Wir sollten überlegen, wie wir die Liebe und den Mut zum Leben stärken können.« Der Sterbeprozess darf nicht zu einer Dienstleistung auf Knopfdruck verkommen. Die Angst vor Missbrauch im Rahmen einer kommerziell organisierten Sterbehilfe überwiegt die Forderung nach Selbstbestimmung. Darum lässt diese sensible Materie die Bundesregierung förmlich erstarren und an ein Pauschalverbot denken. Während die Union das Verbot der organisierten Suizid-Hilfe vorantreibt, treten SPD und Ethikrat auf die Bremse: »Entscheidungen in ethischen Fragestellungen wie der Sterbehilfe brauchen Zeit«, sagte SPD-Ethik-Experte René Röspel. Die alten- und pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Elisabeth Scharfenberg, ist für eine fraktionsübergreifende Abstimmung: »Ein gemeinsamer Antrag aller Fraktionen kann nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner kommen und das wird dem Thema nicht gerecht.« Wie recht sie damit hat.

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