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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Fall »Emmely«

Bielefeld (ots) - »Die Kleinen hängt man«: Das war in der Debatte um umstrittene Kündigungen wegen Bagatelldelikten häufig zu hören. Dass es auch anders ausgehen kann, hat das Bundesarbeitsgericht mit seinem Urteil im Fall »Emmely« gezeigt. Zwar weigerte sich der Zweite Senat, einen Freibrief auszustellen und damit juristische Maßstäbe aufzuweichen. Doch hat das Gericht zugleich Menschlichkeit bewiesen: »Emmely« bekommt ihren Job zurück. Trotzdem können Arbeitgeber auch in Zukunft Mitarbeiter feuern, die Maultaschen oder Pfandbons mitgehen lassen. Diebstahl bleibt Diebstahl, selbst bei Centbeträgen. Für sein Urteil musste das Gericht allerdings eine schwer kalkulierbare Größe benutzen: den Vertrauensvorrat. Wie lange es braucht, ein gutes Arbeitsverhältnis aufzubauen, das nicht mit einer einzigen unbedachten Handlung zerstört werden kann, muss individuell entschieden werden. 30 Jahre? 15? Darin zeigt sich aber gerade die Menschlichkeit des Urteils: Vertrauen lässt sich nicht in Zahlen messen, auch darf Vertrauensbruch nicht als Schlagwort missbraucht werden, um missliebige Mitarbeiter loszuwerden.

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