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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama

    Bielefeld (ots) - Warum Barack Obama? Das ist die wohl am häufigsten gestellte Frage nach der Sensationsentscheidung des Komitees in Oslo. Antwort: Ja, der erste schwarze und zugleich jüngste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist zu Recht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Barack Obama hat in seinen neun Monaten als US-Präsident noch keine weltpolitischen Erfolge vorzuweisen. Seine Politik der ausgestreckten Hand stößt nicht überall auf Zustimmung. Über den Kurs in Afghanistan wird in Washington verbittert gestritten. Ob das Gefangenenlager Guantánamo wie versprochen im Januar 2010 geschlossen werden kann, ist noch nicht sicher. Obama ist zudem der Befehlshaber der weltweit größten Militärmacht. Ohne Zweifel: Das Komitee hat Mut bewiesen. Andere Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl (79) und die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt (47), sind ebenso hervorragende Botschafter für den Frieden. Auch sie hätten den Preis verdient gehabt. Das Komitee ist ähnlich wie 1971 von einer gängigen Praxis abgewichen. Damals war es Willy Brandt, der den Preis für seine Ostpolitik erhielt. Und auch in diesem Jahr ist der Friedensnobelpreis nicht für etwas Vergangenes vergeben worden, sondern für etwas Zukünftiges. Nicht Obamas bisherige Leistungen wurden gewürdigt, sondern seine Vision für eine Welt ohne Nuklearwaffen. Das Komitee folgte somit Alfred Nobel, der in seinem Testament verfügt hatte, dass diese hohe Ehre auch Menschen zuteil werden kann, die an einem noch laufenden Friedensprozess beteiligt sind. Barack Obama hat dazu beigetragen, dass die Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern wieder aufgenommen wurden. Er hat die Aussöhnung mit der muslimischen Welt vorangetrieben. In einer seiner bislang außenpolitisch wichtigsten Reden in der Universität von Kairo begrüßte er seine Zuhörer auf Arabisch. Er reichte ihnen mit dieser Geste nicht nur eine, sondern beide Hände. Sein Entgegenkommen bei der Raketenabwehr hat das Verhältnis zwischen Washington und Moskau massiv verbessert. Barack Obama steht wie kein anderer für die Vision einer Welt ohne Atomwaffen. Er hat mit seinen Dialogen und seiner Diplomatie wie kein anderer Hoffnungen auf weltweiten Frieden geweckt. Barack Obama hat aber keinen Grund zu feiern. Er empfindet Demut. Für ihn ist diese Auszeichnung Ehre und Bürde zugleich. Er wird bei allen seinen Entscheidungen daran gemessen werden, Friedensnobelpreisträger zu sein. Die Auszeichnung ist ein starkes Zeichen für die ganze Welt. Sie ist ein Zeichen der Hoffnung. Sie ist aber auch ein Zeichen für Barack Obama - ein Zeichen, das verpflichtet.

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