Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) kommentiert:

Bielefeld (ots) - Eines vorweg: Der normale Bank- oder Sparkassenkunde in Deutschland muss sich um seine Ersparnisse nicht sorgen. Die weltweite Finanzkrise schlägt zwar hohe Wellen wie ein Tsunami, erreicht aber nicht das Sparbuch des kleinen Mannes. Das ist aber auch schon die einzige gute Nachricht, die uns dieser schwarze Montag aus der Fülle an Schockmeldungen rund um die Lehman-Pleite herausfiltern lässt. Schon wer in Aktien investiert ist, hat allen Grund zum Frust. Seit Monaten sind die Kurse wegen der mittlerweile mehr als ein Jahr währenden Finanzmarktkrise auf Talfahrt. Das Ausmaß der Krise überrascht alle in der Branche und dürfte auch den jüngsten Nachrichten um Lehman Brothers und Merrill Lynch noch lange nicht ausgestanden sein. Viel zu optimistisch waren vor einigen Monaten die Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, als er sagte, die Krise sei weitgehend überstanden. Was für eine Fehldiagnose! Der frühere US-Notenbank-Chef Alan Greenspan hat die Finanzmarktkrise als Jahrhundertereignis gewertet. »Das übertrifft ohne Zweifel alles, was ich je gesehen habe - und es ist längst noch nicht überwunden«, sagte Greenspan bereits am Sonntag - am Tag vor dem Crash. Das klingt alarmierend. Weitere Pleiten, so ist zu befürchten, werden folgen. Lehman ist das bislang größte und prominenteste Finanzinstitut, das zusammengebrochen ist. Die Ursache ist stets die Gleiche: Profitgierige Investmentbanker schnüren riesige Pakete riskanter Wertpapiere, die aber nicht mit ausreichend Kapital abgesichert sind. So hielt etwa Lehmann zuletzt Vermögenswerte von 600 Milliarden Dollar, die nur mit 30 Milliarden Dollar Eigenkapital unterlegt waren. Ein Experte: »Hätte das Vermögen nur fünf Prozent an Wert verloren, wäre der Wert der Firma praktisch ausgelöscht worden.« Warum der US-Staat Lehman nicht wie bereits zuvor die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac mit einer Milliarden-Dollar-Spritze rettete, war gestern vielleicht vielen Experten ein Rätsel. Die Entscheidung aber ist richtig. Der Staat kann und darf nicht jede Bank retten. Es muss einmal Schluss sein mit der aus Sicht der Banken bequemen Geschäftspraxis: Gewinne selbst einsacken, Verluste auf den Staat abwälzen. Auch in Deutschland hat die Rettungsaktion der Mittelstandsbank IKB durch den Bund viele Milliarden Steuergelder gekostet - und letztlich nichts bewirkt als einen Notverkauf. In den USA wird die Krise für Notenbank-Chef Ben Bernanke zur Bewährungsprobe. Schafft er es, das Finanzsystem zu reformieren? Die USA sind jedenfalls schwer angeschlagen. Es droht die Rezession. Das alarmiert die Politik. Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama kritisierte gestern die mangelnde Transparenz und Rechenschaftspflicht im US-Finanzsystem. Völlig zu Recht. Die Aufsichtsbehörden haben keinen guten Job gemacht. Vertrauen ist zwar gut, Kontrolle aber besser. Pressekontakt: Westfalen-Blatt Nachrichtenleiter Andreas Kolesch Telefon: 0521 - 585261 Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Westfalen-Blatt

Das könnte Sie auch interessieren: