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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Öl/Euro

    Bielefeld (ots) - Gefühlt und auch in Wirklichkeit geht es uns doch noch ganz gut. Die Politiker der großen Koalition verbreiten sogar eine Stimmung, als ginge es uns blendend. Kaum hat der Staat etwas mehr Geld in der Steuerkasse, schon haben die Parteien wieder Spaß am Verteilen. Sparmaßnahmen, noch von der Vorgängerregierung beschlossen, werden zurückgedreht. Nun ist klar, dass auch eine Agenda 2010 nicht unantastbar ist. Korrekturen müssen möglich sein. Besorgniserregend sind eher die Richtung und das Tempo, mit dem Rot und Schwarz scheinbar in die gleiche Richtung rennen. Indessen spiegelt der Rückgang des Dax und anderer Börsenindizes, dass sich die exportabhängige Wirtschaft des anhaltenden Aufschwungs gar nicht mehr so sicher ist wie noch vor wenigen Monaten. Gründe dafür gibt es einige. Da ist der Euro, der von einem Höchststand zum nächsten eilt und damit deutsche Produkte im außereuropäischen Ausland immer weiter verteuert. Da Kunden überall auf der Welt Preis und Leistung vor einer Kaufentscheidung ins Verhältnis setzen, verliert »Made in Germany« an Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig mindert der starke Euro eine andere Entwicklung, die uns sonst noch mehr Sorgen bereiten würde: der absolute Höhenflug des Ölpreises. Schon kratzt er an der 100-Dollar-Marke - einer Grenzlinie, die man früher nur mit dem Fernrohr in Augenschein nehmen konnte. Jetzt stuft die OPEC diesen Betrag bereits als »fair« ein. Die Investoren mit den dicken Konten, die sich insbesondere seit dem Platzen der amerikanischen Immobilienblase stark im Rohstoffbereich engagieren, scheinen ihnen zuzustimmen. Wohl dem Unternehmen, das bereits in Energiesparmaßnahmen investiert hat! Es steht kaum zu erwarten, dass sich der Preis für das »schwarze Gold« noch einmal deutlich nach unten bewegen wird - selbst wenn, wie jetzt in Brasilien, neue Erdölfelder erschlossen werden. Den Energiehunger Chinas, Indiens und anderer neuer Wachstumsmärkte werden auch sie nicht stillen. Angesichts der schwierig gewordenen äußeren Bedingungen, zu denen ja noch die Krise im Finanzsektor hinzugerechnet werden muss, schlägt sich die deutsche Wirtschaft bislang noch vergleichsweise gut. Allerdings wird die Stimmung im Land immer mehr vom Prinzip Hoffnung getragen - von der Hoffnung, dass im beginnenden Weihnachtsgeschäft nun endlich auch die Binnennachfrage anzieht. Dafür sprechen unter anderem die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und die verbesserte Arbeitsplatzsicherheit. Die Deutschen können etwas entspannter in die Zukunft schauen und fühlen sich hoffentlich weniger gedrängt, ihr Geld »für schwere Zeiten« zurückzulegen. Auch die Tatsache, dass eine größere Zahl von Arbeitnehmern in diesem Jahr wieder Weihnachtsgeld erhält, dürfte der Stimmung im Land guttun - selbst wenn die höheren Heizöl-, Benzin- und Lebensmittelpreise natürlich auch am verfügbaren Einkommen der Privatleute knabbern.

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