Deutscher Bauernverband (DBV)

Sonnleitner: EU-einheitliche Regelungen zur Lebensmittelsicherheit notwendig Ernährungsgipfel in Brüssel

    Berlin (ots) - Für eine gläserne Nahrungsmittelproduktion unter
einheitlichen Regelungen im gesamten Binnenmarkt der Europäischen
Union sprach sich der Präsident des Deutschen und Europäischen
Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, heute auf dem Europäischen
Ernährungsgipfel in Brüssel aus. Sonnleitner appellierte an die
Verantwortlichen der Land- und Ernährungswirtschaft, die Qualität und
Sicherheit in den Mittelpunkt ihres unternehmerischen Engagements zu
stellen. Doch auch die Politik sei gefordert, den gesetzlichen Rahmen
vorzugeben. "Ich sehe mit großer Sorge, dass in einigen Ländern, so
auch in Deutschland, EU-Maßnahmen zusätzlich verschärft werden",
betonte  Sonnleitner.
    
    Dadurch bestehe die Gefahr, dass der Verbraucher den Eindruck
erhalte, die Maßnahmen der EU seien nicht ausreichend, gar nur
zweitklassig. Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz seien
jedoch unteilbar, was bedeute, dass EU-einheitlichen Regelungen
absolute Priorität eingeräumt werden müsse. Im EU-Binnenmarkt sei
eine Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Verbraucherschutz und in der
Lebensmittelsicherheit nicht zu akzeptieren. Andernfalls würden
Landwirtschaft und Ernährungsindustrie dorthin abwandern, wo weniger
strenge Auflagen beständen. Sonnleitner begrüßte die von der
EU-Kommission eingeleiteten gesetzlichen Maßnahmen zur Gewährleistung
von Sicherheit und Qualität der Lebensmittel. Die
EU-Lebensmittelbehörde und die vorgesehene Bestrafung bei Verstößen
seien wichtige Entscheidungen für den Verbraucherschutz.
    
    Sonnleitner zeigte sich fest davon überzeugt, dass es keine
Alternative gibt zu einer verstärkten Partnerschaft der
Landwirtschaft mit der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie dem
Lebensmittelhandel. Die Erzeugung, die Verarbeitung und die
Vermarktung von Nahrungsmitteln ständen in gemeinsamer Verantwortung.
Der Slogan "Vom Stall bis zur Ladentheke" könne nur mit Leben erfüllt
werden, wenn jeder in dieser Lebensmittelkette, also die Hersteller
von Futter- oder Tierarzneimitteln, die Landwirtschaft, die
Ernährungsindustrie und der Lebensmittelhandel, sich zu
kontrollierter Qualitätssicherung verpflichten. Die gemeinsame
Verantwortung und unbedingte Offenheit sei die einzige Chance,
nachhaltig Vertrauen beim Verbraucher zu erreichen, betonte
Sonnleitner.
    
    Nach einer Reihe von Lebensmittelskandalen in den vergangenen
Jahren reagierten die Verbraucher äußerst sensibel. Sie wollten nicht
nur sicher gehen, beim Einkauf Lebensmittel von hervorragender
Qualität und absoluter gesundheitlicher Unbedenklichkeit zu erhalten,
sondern auch über die Produktionsweise informiert werden. Die Land-
und Ernährungswirtschaft verändere deshalb ihr Qualitätsmanagement,
stellte Sonnleitner fest. Anstelle eines auf das Produkt bezogenen
Qualitätsmanagements würden zunehmend Systeme mit konsequenter
Kontrolle aller Phasen des Produktionsprozesses vom Rohstoff bis zum
Endprodukt eingeführt.
    
    Sonnleitner stellte auf dem Brüsseler Ernährungsgipfel eine Reihe
von Qualitätsinitiativen in den verschiedenen EU-Mitgliedsländern
vor. Beim deutschen Konzept "Qualität und Sicherheit" für Fleisch und
Fleischprodukte sei es nach schwierigen Verhandlungen gelungen, eine
Allianz aller an der Produktion von Fleisch und Fleischwaren
beteiligter Partner zu schmieden. Die Futtermittelindustrie, die
Landwirtschaft, die Schlachthäuser, die Fleischwarenindustrie und der
Lebensmittelhandel hätten hierzu eine Gesellschaft gegründet, um nach
festgelegten Kriterien und Kontrollen auf allen Stufen die Qualität
und Sicherheit von Fleisch und Fleischprodukten zu gewährleisten. Am
Ende dieser integrierten Kette steht das Zeichen "QS". Schweden hat
bereits 1997 mit einem umfassenden Qualitätssicherungs- und
Umweltmangementsystem begonnen. Das schwedische Konzept basiert auf
den ISO Normen 9002 und 14001. In Finnland wird eine ähnliche
Strategie verfolgt, in verschiedenen Schritten soll die gesamte
Ernährungswirtschaft einschließlich der Landwirte in ein
Zertifizierungssystem nach internationalen Standards eingegliedert
werden. Sowohl das schwedische als auch das finnische Konzept werden
von der jeweiligen Regierung gefördert. In den Niederlanden haben die
Genossenschaften für Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben mit der
Einführung eines Zertifizierungssystems begonnen, in das nunmehr
sukzessive die Landwirte einbezogen werden sollen. Ferner gibt es
einige Qualitätskonzepte, insbesondere für Obst und Gemüse, die
vorrangig vom Handel initiiert wurden. Im Vereinigten Königreich ist
auf Betreiben der Wirtschaft ein Qualitätssystem für pflanzliche
Produkte eingerichtet worden, in das auch Umweltaspekte einfließen.
Als Label und Erkennungsmerkmal dient das Symbol eines roten
Traktors.
    
    In Dänemark läuft seit 1995 eine Initiative zur Zertifizierung von
landwirtschaftlichen Betrieben auf der Basis der ISO-Standards 9002
und 14001. Ferner wird von der dänischen Regierung ein Label für
pflanzliche Erzeugnisse aus dem integrierten Anbau, der auf Aspekten
der Umweltverträglichkeit und des Tierschutzes beruht, vergeben. Es
ist vorgesehen, dieses Label auf alle Produkte auszudehnen. Unter dem
Namen "Agri Cofiance" haben die französischen Genossenschaften 1996
mit einem Qualitätsprogramm begonnen. Es basiert wie viele andere
auch auf ISO-Standards. Aktuell wird das Programm überarbeitet, um
Umweltaspekte in Produktion und Verarbeitung einzubeziehen.
    
    
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