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Neue Westfälische (Bielefeld): Jugendliche interessieren sich für Politik - wissen aber zu wenig Demokratie gehört auf den Stundenplan Miriam Scharlibbe

Bielefeld (ots) - Bei der Bundestagswahl dürfen sie ihre Stimme noch nicht abgeben, eine Meinung zur politischen Lage im Land haben die 14- bis 17-jährigen Deutschen dennoch. Und die ist, will man der Umfrage der Jugendzeitschrift Bravo Glauben schenken, erstaunlicherweise gar nicht so weit entfernt von der ihrer Eltern. Befragt wurde zwar nur eine kleine Gruppe, die hat aber so ehrlich geantwortet, wie es wohl kaum ein erwachsener Proband getan hätte. Darum können vor allem Politiker aus dieser Studie lernen. Die gute Nachricht ist: Politikverdrossenheit war gestern. Die Mehrheit der Jugendlichen findet es wichtig, wählen zu gehen. Ein Drittel interessiert sich stark für Politik. Am Wissen über politische Zusammenhänge mangelt es dagegen. Das sollte Eltern und Lehrer alarmieren. Denn Schule und Familie dienen den Teenagern noch immer als wichtigste Informationsquellen über Politik - weit vor Youtube und Facebook. Dennoch wird Demokratieverständnis nach dem Zufallsprinzip gelehrt. Manches wird am Frühstückstisch besprochen. Wichtige Themen tauchen im Geschichts-, Sozialkunde- oder Deutschunterricht auf - oder eben auch nicht. In Berlin gibt es einen Vorstoß für ein eigenständiges Schulfach "Politik", verpflichtend verankert auf dem Stundenplan, nicht als AG für besonders Engagierte. Der neue NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will das Fach Wirtschaft an allen weiterführenden Schulen einführen. Das ist ein Anfang. Politische Bildung muss in allen Bundesländern und an allen Schulen den gleichen Stellenwert bekommen, wie Mathematik oder Rechtschreibung. Jugendliche suchen Orientierung. Erschreckend: Minderjährigen ist die Innere Sicherheit wichtiger als Themen aus dem Bereich Schule und Ausbildung. Eine Generation, der alle Türen offen stehen, ist verunsichert durch Grundsatzdiskussionen über den Zustand der Gesellschaft. Wir brauchen weniger Angst getriebene Debatten und mehr politische Ideen, die Mut machen. Viele Politiker fordern ein Wahlrecht ab 16 auf Bundesebene ab der übernächsten Legislaturperiode. Damit bleiben vier Jahre Zeit, in denen die etablierten Parteien Antworten geben müssen auf die drängenden Fragen der Jugend.

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