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Neue Westfälische (Bielefeld): Neuer Raketentest Nordkoreas Gefährliches Spiel Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Pünktlich zum amerikanischen Unabhängigkeitstag hat Nordkorea die wohl erste Langstreckenrakete getestet, die irgendwann mit atomaren Sprengköpfen US-Territorium erreichen könnte. Der US-Präsident liefert dazu ein Bild der Hilflosigkeit. Ob Kim Jong Un "mit seinem Leben nichts Besseres anzufangen hat", als Raketen in den Himmel zu schießen, fragt Donald Trump rhetorisch auf Twitter. Eine politisch durchdachte Antwort auf Bedrohung durch den stalinistisch regierenden Diktator blieb aus. Stattdessen vage Hoffnungen: Vielleicht werde China dem "Unsinn ein für alle Mal ein Ende bereiten". Und: Er könne sich nicht vorstellen, dass sich Südkorea und Japan Nordkoreas Säbelrasseln "weiter bieten lassen".  Keine Silbe dazu, wie Amerika die Krise entschärfen könnte. Dabei steht Trump national wie international im Wort. Er hat mehrfach rote Linien gezogen. Die dickste im Januar: "Nordkorea hat gerade angekündigt, es sei in den letzten Phasen der Entwicklung einer Nuklearwaffe, die Teile der USA erreichen kann. Das wird nicht passieren!", hatte Trump getönt. Seitdem folgen nach jedem neuen Raketentest die gleichen Beteuerungen: Amerika strebe eine friedliche Lösung an, am besten mit China. Notfalls sei man aber willens und in der Lage, dem "Verrückten" in Pjöngjang im Alleingang sein atomares Spielzeug aus der Hand zu schlagen, wenn Kim Jong Un weiter provoziert. Und nun?  Sollte Nordkorea tatsächlich eine mittelfristig nuklear bestückbare Interkontinentalrakete gezündet haben, wäre eine neue Eskalationsstufe erreicht. Trump geriete weiter unter Druck - und vielleicht in Versuchung, sich mit einem Militärschlag Luft zu verschaffen. Mit verheerenden Folgen.  Jede Militäraktion gegen Nordkorea hätte das Potenzial für eine Kettenreaktion im globalen Maßstab. Dazu darf es nicht kommen. Mehr Diplomatie, vor allem Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang, sind unumgänglich. Aber Trump will sich nicht an den Verhandlungstisch zwingen lassen. Er setzt allein auf China als Druckmittel. Das ist kurzsichtig.  Denn Peking braucht Pjöngjang als Puffer gegen amerikanische Ambitionen. Es hat kein Interesse am Sturz des Regimes, aber große Zweifel an der Lauterkeit Trumps. Der hatte China zuletzt mehrfach gegen sich aufgebracht - mit Waffenverkäufen an Taiwan etwa, Seemanövern im Südchinesischen Meer und angekündigten Strafzöllen. Entscheidend wird nun sein, welche Tonlage der Präsident anschlägt. Ab sofort kann jeder Satz aus dem Weißen Haus relevant sein für die Frage aller Fragen: Krieg oder Frieden?

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