Neue Westfälische (Bielefeld)

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Das Ruhrgebiet lernt von Ostwestfalen-Lippe Selbstbewusst aus dem Strukturwandel Florian Pfitzner, Düsseldorf

Bielefeld (ots) - Nordrhein-Westfalen hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs tiefgreifender verändert als alle anderen alten Bundesländer. Galt das Land in der Ära des Wiederaufbaus als das wirtschaftliche Kraftzentrum der Republik, das Millionen von Flüchtlingen gesellschaftlich eingliederte, litt es später unter schweren Krisen und hoher Arbeitslosigkeit. Von außen setzt man NRW dabei stets mit einer Region gleich: dem Ruhrgebiet. Der Mythos von Kohle und Stahl galt über Jahrzehnte als obligatorischer Bestandteil jeder Regierungserklärung. "Stahl ist Zukunft", rief Ministerpräsidentin Hannelore Kraft erst neulich Tausenden Malochern vor der Hauptverwaltung von ThyssenKrupp in Duisburg zu. Mag ja sein. Ob sich die Menschen im Revier jenseits gewerkschaftlicher Folklore allerdings noch allzu lange auf industrielle Großstrukturen verlassen sollten, steht auf einem anderen Blatt. Über Generationen haben sie in der Montanindustrie eine Rundumversorgung genossen, die ihresgleichen sucht: Ausbildung, Wohnungssuche, Erholungsurlaub, sogar Bestattungsformalitäten - von der Wiege bis zur Bahre wurden maßgebliche Entscheidungen abgenommen, kümmerte sich der Arbeitgeber um seine Arbeitnehmer. Natürlich ist daraus eine gewisse Empfängermentalität gewachsen, die sich so in Ostwestfalen-Lippe oder dem Münsterland nie ausprägen konnte. Zweitens endet in der "Metropolregion" Ruhr, dieser künstlichen Einheit mit der politischen Klammer, die Zusammenarbeit an den kommunalen Grenzen. Duisburg fühlt sich der Rheinschiene näher als dem westfälischen Dortmund. Dagegen läuft das Passspiel im Nordosten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes vorbildlich. Städte und Gemeinden ziehen mit der vielfältigen regionalen Wirtschaft an einem Strang - für die Marke "OWL". Universitäten gelten in NRW wie in anderen Bundesländern als Lokomotiven eines erfolgreichen Strukturwandels. Sie statten ganze Regionen mit einem neuen Selbstbewusstsein aus. Eben darin sollte die Landesregierung nun ihre Aufgabe im Ruhrgebiet erkennen.

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