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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Verhandlungen mit Griechenland Eine Frage des Formats Knut Pries, Brüssel

Bielefeld (ots) - In der Schlussphase der Verhandlungen über einen Griechenland-Deal ("Geld gegen Reformen") spielt eine große Rolle, was die Diplomaten "das Format" nennen. Damit ist nicht etwa die Kompetenz der Beteiligten gemeint, sondern die Frage, wer sich überhaupt wo mit wem trifft. Das Gewese, dass darum gemacht wird, hat bisweilen lächerliche Züge. So, wenn die EU-Kommission auf die Frage nach dem Teilnehmerkreis der abendlichen Zusammenkunft zwischen ihrem Chef Juncker und dem griechischen Premier Tsipras mitteilt, es gingen in der Brüsseler EU-Zentrale "ständig Leute aus und ein". Die läppische Auskunft ist freilich nicht nur Zickigkeit - die Formatfrage ist politisch mächtig aufgeladen. Beim Berliner Treffen des EU-Führungsduos Merkel/Hollande mit den Chefs der Geberinstitutionen, Juncker (EU-Kommission), Draghi (EZB) und Lagarde (IWF), am Montag durfte Tsipras nicht dabei sein. Das allein macht es ihm unmöglich, einem von dieser Runde beschlossenen Lösungsvorschlag zuzustimmen, zumal, wenn der als "letztes Angebot" daherkommt. Es bräche ihm als vermeintliche Unterwerfung innenpolitisch das Genick. Um-gekehrt verbietet es sich für die Kanzlerin, den "umfassenden Reformplan" einfach abzunicken, den Tsipras der anderen Seite übermitteln ließ. Im Gerangel um das "Format" steckt also jeweils der Versuch, Tatherrschaft zu demonstrieren. In der Sache liegen beide Konzepte offenbar noch so weit auseinander, dass sie allenfalls vorletzte Positionen darstellen. Wer also ist näher an seiner definitiven roten Linie? Bei Tsipras ist nicht einmal sicher, dass er seinen jetzt zirkulierenden Vorschlag durchbekommt, auf dem linken Flügel der Syriza lesen sie das Wort "Kompromiss" als "Kapitulation". Merkel verfügt zu Hause über den solideren politischen Kapitalstock. Den wird sie gewaltig plündern müssen, um den Hellas-Crash abzuwenden, den sie ja unbedingt vermeiden will. Vielleicht nicht um jeden Preis, aber um einen ungemütlich hohen.

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