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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Griechenlandkrise Leere Hände Wolfgang Mulke, Berlin

Bielefeld (ots) - Folgt die neue griechische Regierung einem geheimen Plan, oder ist sie nur blauäugig? Auch nach dem Besuch von Finanzminister Gianis Varoufakis beim Amtskollegen Wolfgang Schäuble ist diese Frage nicht zu beantworten. Am Ende der ersten Tour durch Europas Hauptstädte steht der Gast ebenso wie Regierungschef Alexis Tsipras mit leeren Händen da. Nicht einmal in den oft ausgabenfreudigen Ländern im Süden Europas fanden sie mehr Unterstützung als warme Worte. Die harte Haltung Schäubles dürfte die Griechen dagegen nicht überrascht haben. Jetzt stehen spannende Wochen bevor. Bisher macht Tsipras keine Anstalten, von seinen Wahlversprechen abzurücken und die Troika zur Kontrolle der Reformen wieder ins Land zu lassen. Dabei läuft dem Krisenland die Zeit davon. Schon in der kommenden Woche nimmt die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit an. Am Monatsende verfällt womöglich die letzte Tranche des zweiten Rettungspakets. Dann droht Griechenland bald die Insolvenz. Ob die Warnsignale in Athen ankommen, ist nicht erkennbar. Vielleicht wären die Reaktionen der anderen Euroländer versöhnlicher ausgefallen, wenn Tsipras mit der humanitären Katastrophe bei seinen Landsleuten auf Werbetour gegangen wäre. Die forsche Forderung nach einem Schuldenschnitt hat die Hilfsbereitschaft sicher nicht gefördert. Dass sich die Euroländer in diesem Punkt bewegen, ist wenig wahrscheinlich. Auch deren Regierungen wollen wiedergewählt werden. Jede Bewegung zu Lasten der eigenen Kasse stärkt die eurokritischen Parteien wie die AfD in Deutschland oder die Wahren Finnen. Noch bleibt Zeit für eine Lösung des Problems. Doch jetzt ist die griechische Regierung am Zug. Sie muss schnellstens klarmachen, dass sie ein verlässlicher Partner sein will. Dann findet sich auch ein Weg, eine Alternative zu den demütigenden Kontrollen der Troika auszuhandeln.

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