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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Rede zur Lage der USA Obama im Phantasialand Dirk Hautkapp, Washington

Bielefeld (ots) - Keine drei Monate ist es her, da galt Barack Obama nach der krachenden Niederlage seiner Demokraten bei den Halbzeitwahlen zum Kongress als so gut wie abgemeldet: lahme Ente. Nach seinem jüngsten Rechenschaftsbericht zur Lage der Nation erscheint der amerikanische Präsident dagegen wie nach einer Verjüngungskur: kämpferisch und entschlossen. Ein Draufgänger auf der Zielgeraden. Wie das funktioniert? Autosuggestion. Einbildung. Kein Vertun, die Checkliste des Erreichten könnte zwei Jahre vor Ablauf seiner letzten Amtszeit mickriger aussehen: Die Wirtschaft brummt wieder. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Energie ist billig und in Hülle und Fülle vorhanden. Kriegseinsätze schleichen aus. Fast die Hälfte der Nation blickt wieder mit Optimismus in die Zukunft. Allein, nur mit Volkes Stimmung im Rücken hat noch niemand Washingtons Hang zur Selbstblockade außer Kraft setzen können. Mögen die Herzen europäischer Sozialdemokraten auch höherschlagen angesichts der ebenso sinnvollen wie attraktiven Umverteilungsversprechen Obamas: Ein stramm republikanisch dominierter Kongress, der bei fast allen Themen auf der Gegengeraden läuft, wird den Mann im Weißen Haus gnadenlos auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Die Verlängerung der politischen Grabenkämpfe bis Januar 2017 ist damit programmiert. Wenn Politik die Kunst des Machbaren ist, dann hat Barack Obama sich am Dienstagabend endgültig ins politische Phantasialand verabschiedet.

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