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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar. Hausärztliche Versorgung gefährdet Auslaufmodell Selbstverwaltung Peter Stuckhard

Bielefeld (ots) - Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung schlägt Alarm. Auch wenn man aus NRW-Sicht diesem Missverständnis schnell erliegen könnte: Das ist keine Parteipolitik. Karl-Josef Laumanns Mahnungen beziehen sich auf ganz Deutschland. Der drohende Ärztemangel ist keine Chimäre, er ist längst Realität. Um die Versorgung in der Fläche zu sichern, bedarf es großer Anstrengungen. Die Länder müssen mehr Medizinstudienplätze schaffen. Die geplanten 60 an der Uni Bochum für Ostwestfalen sind gut für die Region, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein abgeschlossenes Medizinstudium sichert ein sehr ordentliches Einkommen, und das sogar schon in der Weiterbildungsphase. Nicht nur aus diesem Grund dürfen sozial angepasste Studiengebühren kein Tabu sein. Gleichzeitig wachsen die Zweifel daran, dass die ärztliche Selbstverwaltung in der Lage ist, zur Problemlösung substanziell beizutragen. Gegenüber der Planwirtschaft bei der Verteilung sogenannter Arztsitze, das sind gewissermaßen die Arbeitserlaubnisse der Vertragsärzte, hatte die DDR ein vergleichsweise neoliberales Wirtschaftssystem. Vergleichbar ist auch die Ineffektivität. Das Prinzip "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" kann nicht dadurch eingelöst werden, dass die Kassen, genauer die Beitragszahler, das ärztliche Einkommensniveau immer nur weiter nach oben verschieben. Wenn die regionalen kassenärztlichen Vereinigungen sich nicht einigen können, muss eben der Gesetzgeber Vorgaben machen. Genau damit droht Laumann bereits. Und wenn eine kassenärztliche Vereinigung auf Dauer - in Westfalen-Lippe ist der Punkt fast erreicht - nicht in der Lage ist, die Versorgung zu sichern, hat die Ärzteschaft ihre Chancen auf Selbstverwaltung verspielt. Dann haben Vertragsärzte allerdings nur noch die Wahl, Kassenangestellte zu werden oder ausschließlich von Privatpatienten zu leben.

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