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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Europa allein kann das Flüchtlingsproblem nicht lösen Alle ins Boot! HUBERTUS GÄRTNER

Bielefeld (ots) - Gemeinsam gegen Rassismus! So lautete das diesjährige Motto am "Tag des Flüchtlings". Er wurde gestern im Rahmen der sogenannten Interkulturellen Woche veranstaltet. Ein Tag des Flüchtlings? Eine interkulturelle Woche? Auf den ersten Blick erscheint das ziemlich wenig und in Anbetracht der gewaltigen Herausforderungen wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn Flüchtlinge gibt es in diesen Tagen und Wochen viele. Zu Tausenden verlassen sie die Krisen- und Kriegsgebiete im Nahen Osten. Zu Tausenden machen sie sich in den Dürre- und Armutsgebieten Afrikas auf eine lange, ungewisse und oftmals todbringende Reise. Klar ist: Der Strom dieser hilfesuchenden Menschen wird so bald nicht abreißen. Ein Ende der gewalttätigen Konflikte im Irak, in Syrien und anderswo ist nicht absehbar. Auch die Auswirkungen der Klimakatastrophe sind bereits spürbar. Sie hat erst begonnen. Falls in den Industrie- und Schwellenländern nicht ein radikales Umdenken erfolgt, wird die Veränderung des Klimas in den kommenden Jahrzehnten unzähligen Menschen auf der Welt Hunger und Verderben bringen. Es ist gleichsam deren einzige Überlebenschance, wenn sie ihre vertraute Heimat verlassen, das Heil in der Flucht und in den noch verbliebenen "gemäßigten Zonen" suchen. Auch die Ebola-Epidemie könnte einen Exodus zur Folge haben. Die Risiken der Verbreitung dieser oftmals tödlichen Krankheit wurden anfangs unterschätzt, sie breitet sich leider immer weiter aus. Hierzulande betrachten wir am Fernsehbildschirm mit einer Mischung aus Schaudern und Entsetzen diese Entwicklungen. Schließlich sitzen wir im bequemen Sessel und nicht auf einem überfüllten Boot im Mittelmeer! Aber wie lange sind wir noch sicher? Können wir uns besser wappnen? Müssen wir uns abschotten? So fragen besorgt ganz viele Menschen in Deutschland. Die Antworten sind nicht einfach. Aber ob es uns nun passt oder nicht: Die Katastrophen am vermeintlich anderen Ende der Welt haben Deutschland längst erreicht. Immer mehr Flüchtlinge aus aller Herren Länder stranden zum Beispiel auch in Ostwestfalen-Lippe. Die Notunterkünfte sind überfüllt. In nahezu allen Städten und Gemeinden wird händeringend Wohnraum gesucht. In dieser angespannten Situation ist es unabdingbar, dass die Zivilgesellschaft den Flüchtlingen zeigt, dass sie hier willkommen sind. Das geht schon mit kleinen Gesten und Geschenken. Hilfe für Bedürftige, das ist ein Akt der Menschlichkeit. Rassistische Vorurteile und rechte Hetze dürfen in Deutschland auch in der zunehmend schwierigen Situation keine neue Nahrung bekommen. Trotzdem muss den Verantwortlichen klar sein, dass einige wenige Staaten nicht die Probleme der gesamten Welt lösen können. Sollte die Entwicklung so weitergehen, wird die Europäische Union mit den Flüchtlingsströmen überfordert sein. Derzeit sind auch in der EU die Lasten zu ungleich verteilt. Deutschland ist zwar auf Einwanderung angewiesen, aber Länder wie Deutschland, Italien und Griechenland müssen zu viele Probleme schultern. Da hilft auch der Verweis auf den Libanon oder die Türkei nicht, wo jetzt Hunderttausende Flüchtlinge in Zelten hausen. Vor allem die mächtigen Staaten müssen dringend gemeinsam eine globale Strategie gegen Klimawandel, Krieg und Krankheit finden. Sie sollten endlich begreifen, dass auch sie in dem einen löchrigen Boot sitzen, auf dem es bald keine Schwimmwesten mehr gibt.

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