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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Ukraine und Russland Warnung vor Kraftmeierei BERNHARD HÄNEL

Bielefeld (ots) - Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine gewinnt täglich an Geschwindigkeit. Noch ziehen es die Politiker vor, von einem Bürgerkrieg zu sprechen; wahrscheinlich nur, weil sich niemand traut, das Wort Krieg in den Mund zu nehmen für die stetige Eskalation im Osten der Ukraine. Spätestens seit die Kiewer Militärs gefangene russische Soldaten vor laufenden Kameras präsentierten, muss jedermann klar sein: Dieser Konflikt ist zum Krieg geworden und nicht länger eine "innerukrainische Angelegenheit", wie Präsident Putin ständig wiederholt. Ohne seine Unterstützung hätten die Separatisten längst aufgeben müssen, wahrscheinlich hätte es sie nie gegeben. Viele ihrer führenden Köpfe sind Russen, denen beste Beziehungen zum russischen Geheimdienst und Militär nachgesagt werden. Alle bisherigen Versuche, Russland zurück auf den Pfad des Völkerrechts zu führen, sind gescheitert. Vom jüngsten Gipfel in Minsk ist nur ein Händedruck geblieben. Und so beginnt sich das Karussell in Kiew, Brüssel und Washington schneller zu drehen. Kiew verlangt nach westlichen Waffen, manche wünschten sich noch erheblich mehr vom westlichen Verteidigungsbündnis und der Europäischen Union. Wieder andere, vornehmlich im Westen, wollen die Sanktionsschrauben gegen Moskau weiter anziehen, wohlwissend, dass nationale Interessen einzelner Partner dem entgegenstehen. Die Bundesregierung macht bei dem verbalen Säbelrasseln nicht mit. Aus gutem Grund. Je größer die Daumenschrauben werden, die einzelne westliche Staatsmänner zum Einsatz zu bringen fordern, umso deutlicher erkennbar wird die Zerrissenheit des Westens. Über kurz oder lang könnte dies zu tiefen Brüchen in der westlichen Gemeinschaft führen, die später nur schwer zu kitten wären. All die Kraftmeier, die stetig verbal aufrüsten, seien an die Klugheit Otto von Bismarcks erinnert. Der Eiserne Kanzler, Gastgeber und Makler des Berliner Balkan-Kongresses (1878), suchte sich aus den Händeln der Stämme "da unten" herauszuhalten. "Der Balkan ist mir nicht die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert", sagte er. Heute gilt dies für Briten, Franzosen und Amerikaner gleichermaßen.

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