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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Deutsch-israelische Regierungskonsultationen Neues Denken ist nötig CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Alles wie immer? Nein, vieles ist völlig anders als noch vor drei Jahren beim jüngsten Besuch einer großen deutschen Regierungsdelegation in Israel. Denn durch die Entwicklungen in den arabischen Nachbarländern hat sich die Lage für Israel dramatisch geändert. Im Norden versinkt Syrien mehr und mehr im Chaos des Bürgerkriegs, und es besteht die Gefahr, dass kriegerische Hand-lungen auf das Staatsgebiet Israels übergreifen. Im Süden kämpft Ägypten fast verzweifelt mit den Folgen des Umsturzes vor drei Jahren. Im Osten hat Jordanien mit extremen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die teils hervorgerufen werden durch deutlich verteuerte Energielieferungen aus Ägypten. Schon gab es Hungerdemonstrationen. Der Irak in weiterer Nachbarschaft ist weiter instabil. Und die Türkei, einst stabilisierender Faktor in der Region und guten Beziehungen mit Israel nicht abgeneigt, hat interne Probleme. Zudem hat sich das Verhältnis zwischen Ankara und Jerusalem merklich abgekühlt. Da ist das kleine Israel schon fast stabilisierender Faktor in der Levante, trotz aller Schwierigkeiten zwischen Israelis und Palästinensern. Immerhin gab es Bewegung im Atomstreit mit dem Iran, auch wenn die längst nicht alle, vor allem Israel nicht, zufriedenstellt. Da ist es ein hervorragendes Signal, wenn das deutsche Kabinett fast geschlossen Israel besucht. Deutschland hat im gesamten Vorderen Orient auf allen Seiten einen hervorragenden Ruf. Es scheint diesmal auch gelungen zu sein, kritische Dinge wie den Bau israelischer Siedlungen auch kritisch anzusprechen, ohne dass es zum Krach auf offener Bühne kam. Die Absage Merkels an Boykottaufrufe gegen Produkte aus den Siedlungsgebieten ist richtig. Kanzlerin Angela Merkel und Israels Premier Benjamin Netanjahu haben erkannt, dass sich die geopolitische Lage geändert hat und sie nicht weitermachen können wie bisher. Es ist ein langer Prozess, bei dem ein neues Denken nötig ist

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