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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Ungeklärter Mordfall von Emden Schlimme Hetze HUBERTUS GÄRTNER

Bielefeld (ots) - Wenn ein Kind sexuell missbraucht und womöglich sogar getötet wird, dann sind nahezu alle Menschen völlig zu Recht entsetzt, empört und betroffen. Auch der Wunsch nach Rache keimt umgehend bei vielen auf. Doch ein Rechtsstaat muss Rache unterbinden. Für Schuldspruch und Strafmaß sind einzig und allein Gerichte zuständig. Daran muss man nach dem schrecklichen Mord an der elfjährigen Lena in Emden erinnern. Kaum war ein junger Mann unter Tatverdacht festgenommen, entwickelte sich schon eine schlimme Hetze und Hysterie, die in Aufrufen zur Lynchjustiz gipfelte. Wir leben zwar gottlob nicht mehr im Wilden Westen, aber in solchen Situationen zeigt sich, dass der Firnis dünn ist. Der Mob ist immer noch leicht zu beeinflussen, er wäre vermutlich auch heute noch bereit, einen Menschen zu töten. Der Fall von Emden macht wieder einmal deutlich, wie vorsichtig wir alle sein müssen, wenn wir eine Person eines schweren Verbrechens bezichtigen. Das gilt für die Ermittlungsbehörden, denen hier augenscheinlich eine Panne unterlaufen ist, weil sie einen Unschuldigen verhaftet haben, den sie kurze Zeit später wieder freilassen mussten. Aber auch wir Journalisten sollten uns manchmal mehr Zurückhaltung auferlegen und vorsichtiger agieren. Skeptisch zu betrachten ist das Internet. Es bringt bei weitem nicht nur Segen. Es ist, wie sich in Emden gezeigt hat, manchmal ein höchst gefährliches Medium für Hetze und Beleidigungen.

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