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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Gefangenenaustausch in Israel Atempause CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Vielleicht hat die Weltöffentlichkeit soviel Interesse am israelisch-palästinensischen Gefangenenaustausch, weil es endlich einmal gute Nachrichten aus dem Nahen Osten gibt. Anders als so oft zuvor werden keine Leichen ausgetauscht. Gilad Schalit lebt. Trotz aller Schrecknisse und Qualen, die die mehr als fünfjährige Geiselhaft bedeutet haben muss. Diesmal ist es anders als es der israelische Autor David Großmann erlebt hat, dessen Sohn im Libanon fiel und der in dem grandiosen Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" die Angst um im Krieg befindliche Angehörige beschreibt. Die Angst der Israelis und der Palästinenser übrigens. Und gut 1.000 Palästinenser kommen frei, von denen viele - nicht alle - auch als politische Gefangene bezeichnet werden können. Positiv an diesem Ereignis ist auch, dass Ägypten sich wieder konstruktiv in den Prozess eingeschaltet hat. Nach dem Sturz Mubaraks im Frühjahr waren Zweifel an Ägyptens Ausgleichsfähigkeit und -willigkeit aufgekommen. Dass jetzt eine Propaganda-Schlacht um den Erfolg des Austausches zwischen der israelischen Regierung und der Hamas ausbricht, ist immer noch besser als eine echte Schlacht. Immerhin musste das Schicksal Schalits schon als Begründung für den jüngsten Gaza-Krieg herhalten. Die Schlacht um Worte zeigt aber auch, dass der Austausch vorerst eine Einzelaktion bleiben wird, die keinen grundsätzlichen Neuanfang bedeutet. Zu tief ist das Misstrauen auf beiden Seiten und zu groß das Interesse gewisser Kreise am Fortbestand des Kriegszustandes. Mit Glück ist es eine Atempause. Das Zurückholen gefangener Soldaten hat in Israel fast Verfassungsrang ist Glaubenspflicht. Deshalb kann auch Premierminister Netanyahu die Freilassung des jungen Soldaten Schalit als Pluspunkt für sich verbuchen in einer Zeit sozialer Proteste.

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