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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Neuorganisation des ärztlichen Notfalldienstes Von Eulen und Nachtigallen PETER STUCKHARD

Bielefeld (ots) - Die Reform des ärztlichen Notfalldienstes ist überfällig. Wer, ob Arbeitnehmer oder Selbstständiger, möchte heutzutage noch 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr in der Pflicht stehen, jederzeit für seine Kunden da sein zu müssen. Ob defekte Heizung oder vergessener Hausschlüssel: Handwerksnotdienste lassen sich ihre Leistungen teuer bezahlen. Nicht so die niedergelassenen Ärzte: Von ihrer Verpflichtung, jederzeit für ihre Patienten erreichbar zu sein, können sie sich nur befreien, wenn sie mit Kollegen eine gegenseitige Vertretung vereinbaren. Zweitens können und müssen sie von Mittwochmittag bis Donnerstagmorgen und am Wochenende am organisierten Notfalldienst teilnehmen. Organisiert wird dieser Dienst derzeit auf Gemeindeebene. Das führt, besonders in kleinen Orten mit wenigen Ärzten, zu Dienstfrequenzen, die alte Haudegen mehr oder weniger zähneknirschend wahrnehmen. Junge Ärztinnen und Ärzte werden den Teufel tun, sich in einem solchen Ort niederzulassen. Die Reform setzt daher an zwei Punkten an: Der neue Zuschnitt der Notfalldienst-Bezirke bedeutet erstens für einen Teil der Ärzte eine geringere, für den anderen Teil eine höhere Belastung. Das hat zu anhaltenden innerärztlichen Diskussionen geführt. Dem einen sin Uhl . . . Zweitens wird der niedergelassene Arzt von der permanenten Bereitschaftspflicht befreit. Er hat jetzt - im Prinzip - jeden Tag ab 18 Uhr, Mittwochs schon ab mittags und am Wochenende frei. Das ist aus drei Gründen angemessen. Weil es erstens die aktuelle Realität widerspiegelt und zweitens die moderne Arbeitswelt auf den Arztberuf überträgt. Daraus folgt drittens, dass die manchmal übertriebene ethische Überhöhung dieses Berufes endlich ein Stück weit geerdet wird. Abgesehen von den Notdiensten der Augen- und HNO-Ärzte könnte es für die Patienten einfacher werden.

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