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Neue Westfälische: Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTARE Der höchste Turm der Welt Gigantismus HUBERTUS GÄRTNER

    Bielefeld (ots) - Der Turmbau zu Babel ist eine bekannte Erzählung aus dem Alten Testament. Berichtet wird von einem Volk aus dem Osten, das in dem Land Schinar den Versuch unternahm, ein Gebäude bis in den Himmel zu bauen. Wegen dieser Anmaßung steigt Gott schließlich herab und schaut sich den Wolkenkratzer an. Zur Strafe zerstört er die einheitliche Sprache der Menschen. Sie werden über die ganze Erde verstreut. Eine solche Sanktion haben die rund 1,7 Millionen Bewohner des Emirates Dubai vermutlich nicht unmittelbar zu erwarten. Durch die Wirtschaftskrise sind sie vorerst blamiert genug. Erst vor wenigen Wochen musste Dubai den Bankrott einräumen - Kredite in zweistelliger Milliardenhöhe konnten nicht mehr bedient werden. Eine gigantische Blase am Persischen Golf war geplatzt. Dagegen wirkt der neue Turm von Dubai wie ein irrsinniges Kontrastprogramm: Ein Staat, der soeben noch röchelnd auf dem Sterbebett lag, lässt schon wieder die Sau raus. Mehr als 800 Meter ragt das höchste Gebäude der Welt in den Himmel. Insgesamt 160 Stockwerke können mit mit 57 Aufzügen erreicht werden. Die Baukosten betragen drei Milliarden Euro und sind damit doppelt so hoch wie geplant. Finanziert wird der Tower angeblich von der königlichen Familie. Dubai hat bereits das teuerste Hotel der Welt, die künstliche Insel The Palm - und besitzt nun mit dem Burj Chalifa, dem höchsten Bauwerk der Erde, ein weiteres Wahrzeichen für maßlosen Gigantismus. Der neue Turm sei unwirtschaftlich und "energetisch eine Absurdität", sagen Kritiker. Aber wen juckt das schon in den Arabischen Emiraten, wo jeder Einwohner durchschnittlich 550 Liter Wasser pro Tag verbraucht? Offenkundig niemanden! Gott aber könnte, wie einst in Babylon, wieder zornig werden. Wir stellen seine Geduld schon viel zu lange auf die Probe. In Dubai und anderswo.

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