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PHOENIX PROGRAMMHINWEIS
Samstag, 2. Dezember 2000

    Bonn (ots) -          11.30 Uhr Schöne neue Welt im Slum     Wie Architekten Rios Elend bekämpfen          Sie gehören zum Stadtbild wie der berühmte Zuckerhut oder der Christus, Rios Favelas. Millionen leben in den schiefen Hütten dieser Viertel, oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Mit einem ehrgeizigen Projekt versucht die Stadt Rio diesen Zustand nun zu ändern. Durch die Favelas werden Strassen geschlagen und teilweise neue Häuser gebaut. Ein bahnbrechendes Projekt, das deutsche Architekten kritisch begleiten. Eine Woche lang lebte eine Gruppe der Bauhaus Stiftung Dessau in einer Favela. Die Reportage begleitet die internationalen Architekten und Künstler, zeigt, wie die zwei Welten aufeinander reagieren, was sie voneinander lernen können. Zudem wird deutlich, wie die baulichen Eingriffe in die Struktur der Favela das Leben der Menschen verändern. Film von Stefanie Gargosch          Menschen     13.30 Uhr Moderne Menschen     Horst Hamann - Mr. Vertical          Wie fotografiert man New York, die Metropole der Wolkenkratzer, in der alles nach oben strebt? Horst Hamann hatte die Idee, auf die jeder hätte kommen können. Er drehte seine Breitbildkamera um 90 Grad. Und damit begann seine Karriere. Horst Hamann ist der Erfinder der "Vertical-Fotografie". Sein "New York Vertical", ein Fotoband, der in kein Regal passt, ist ein weltweiter Verkaufsschlager. Der Fotograf Horst Hamann kommt aus Mannheim und lebt seit 20 Jahren in New York. Sein jüngstes Projekt: die BASF in Ludwigshafen. Mit der Skyline des Chemiekonzerns ist Hamann aufgewachsen, nun hat er die weltweit größte zusammenhängende Industrieanlage fotografiert. Er tat es, auf seine Art - vertikal! Die sieben Quadratkilometer große Stahlwüste - ein lebendiger Mikrokosmos - verwandelt sich bei Hamann zu einer Stadt, seiner Stadt. Das Firmenporträt wurde letztes Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt. Jetzt ist "Frankfurt vertical" an der Reihe, aus Hamanns Sicht die einzige europäische Stadt, die mit imponierenden Dimensionen aufwarten kann. Der Film begleitet Mr. Vertical bei seiner Suche nach den besten Shots und der ultimativen Perspektive in New York, Frankfurt und Mannheim.     Film  von Tina Soliman          Auslandsreportage     18.45 Uhr Israel - Landbesitzer auf Zeit     Im Banne der Ultra-Orthodoxen          Am 30. September begann für die Juden ein neues Jahr. Es wird ein besonderes Jahr. Nach biblischer Vorschrift lassen die Juden ihre Felder brach liegen. Andere "verkaufen" ihr Land an Nicht-Juden, um so den religiösen Gesetzen Genüge zu tun. ARD-Korrespondent Peter M. Dudzik war als Nicht-Jude schon einmal Landbesitzer. Per Vertrag waren ihm damals Felder, Wiesen und Plantagen in einer Größe von 700 Quadratkilometern vom Ober-Rabbiner übertragen worden. Auch diesmal wollte er der sogenannte Gol für die frommen Juden sein. Doch es gibt Streit unter den Ultra-Orthodoxen. Für die Mehrheit ist Landverkauf ein Pseudogeschäft. Israels sfardischer Ober-Rabbiner, zuständig für den Landverkauf, ist in die Schusslinie geraten. Er wurde sogar zum Rücktritt aufgefordert. Deshalb wird der Verkauf von Land bis auf die letzte Minute hinaus geschoben.

    Der Einfluss der Ultra-Orthodoxen in Israel wird immer stärker.
Die Rabbiner erhalten einen größeren Zulauf. Jeden Donnerstag Abend
versammelt Rabbi Ifagan Tausende zu einer mitternächtlichen
"Reinigung der Seele". Während er hektisch in einer stundenlangen
Zeremonie 15000 Kerzen ins Feuer wirft, klatschen und singen die
Massen, auf dass der Himmel sich öffne und der Herr von allem Übel
befreit. In Strömen pilgern Religiöse aber auch Säkulare zu Rabbi
Ifagan, der auch "Rabbi Röntgen" genannt wird. Ein Blick reicht und
er erkennt Krankheiten und Gebrechen der Menschen, und auf wundersame
Weise heilt er diese.  
Film  von Peter Dudzik (2000)
    
    Mein Ausland
    20.15 Uhr Armut und Aufbruch - Die zwei Gesichter Indiens
    
    Indien ist ein Land der extremen Gegensätze, bewegt sich zwischen
Moderne und Tradition. Stellvertretend für die verschiedenen
Gesichter Indiens stehen vier Orte im Vordergrund der Reportage:
Dikothinadalu, ein kleines Dorf in Südindien. 70 Prozent der Inder
leben nach wie vor auf dem Land. Indien ist immer noch ein Agrarland.
Dann Bangalore, das Silicon Valley Indiens. Computer, Software, High
Tech pur. Indien ist auch ein Computerland. Kalkutta - das Armenhaus
Indiens. Zwei Drittel der Einwohner leben in Slums. Indien ist auch
ein Entwicklungsland, und: Bombay, die Finanz- und Filmmetropole
Indiens. In Bombay befindet sich die drittgrößte Börse der Welt und
hier werden jährlich mehr Filme produziert als in Hollywood. Indien
ist eben auch ein aufstrebendes Wirtschaftsland.
Film  von Jürgen Osterhage (2000)
    
    23.15 Uhr Ich kam nach Palästina
    Der andere Weg
    
    "Ich habe gekämpft für ein Palästina frei von der Okkupation durch
die Engländer, für ein Land, in dem Juden und Araber zusammenleben
werden und wo niemand denkt, daß daran etwas stört erklärt die über
neunzigjährige Ruth Lubitsch. Sie kann auf mehr als 60 Jahre aktives
Engagement für die Rechte der Palästinenser zurückblicken. Noch nie
war die Möglichkeit einer friedlichen Lösung im
israelisch-palästinensischen Konflikt so nahegerückt wie heute - und
dennoch bleibt sie skeptisch. "Leider denke ich immer, daß ich es
schon nicht mehr erleben werde."
    
    Die in Warschau geborene Ruth Lubitsch gehört einer kleinen Gruppe
ähnlich gesinnter Israelis an, die sich schon bei der Staatsgründung
Israels vor 50 Jahren dem offiziellen Mythos widersetzten, demzufolge
es keine arabische Bevölkerung in Palästina gab und die jüdischen
Siedler in den 20er und 30er Jahren in ein leeres Land gekommen sind.
Damit haben sie sich nicht beliebt gemacht. "Wir sind immer gegen den
Strom geschwommen, der hier üblich war, so daß wir in unseren
Anschauungen eigentlich genug vereinsamt waren", sagt Joel Tandler,
der aus einer reichen kroatischen Lederhändlerfamilie stammt. In den
30er Jahren folgte er wie viele dem Ruf der zhionistischen
Jugendbewegung Haschomer Hazair und ging nach Palästina, um dort
einen jüdischen Staat zu gründen, der eine gerechte und brüderliche
Gesellschaft, in der es keine Diskriminierung gibt, verwirklichen
sollte. Doch "die Ansichtskarte war viel schöner als die
Wirklichkeit", meint er rückblickend auf den Elan und die Hoffnungen
der jungen Einwanderer.
    
    Ruth Lubitsch und Joel Tandler sind zwei von insgesamt neun
Zeitzeugen, geboren in Deutschland und Osteuropa, die Rückschau
halten auf ihren jahrzehntelangen Kampf für Aussöhnung und einen
gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern und mit ihren
Lebenserinnerungen einen Teil der israelischen Geschichte erzählen,
der von der offiziellen Geschichtsschreibung lange totgeschwiegen
wurde. Dazu gehört Uri Avnery, der Yassir Arafat 1982 im belagerten
Beirut besuchte und dafür wegen Hochverrat angeklagt werden sollte.
Oder die 86jährige Hannah Jaremias, die nie in einer politischen
Partei aktiv war und gemeinsam mit ihrem Mann schon in den 60er
Jahren jüdische und arabische Jugendliche zusammenführte, um sie
gemeinsam nach Deutschland in internationale Jugendlager zu schicken.
Andere haben sich in den 50er Jahren vor israelische Traktoren
gelegt, um die Beschlagnahmung von Ländereien arabischer Bauer zu
verhindern. Ihrer Zähigkeit ist es zu verdanken, daß die arabische
Minderheit im eigenen Land nicht mehr als Bürger zweiter Klasse
behandelt wird und inzwischen die gleichen Rechte genießt. Dennoch
sehen sie wenig Grund, in ihrem Kampf nachzulassen: "Je näher wir dem
Frieden kommen, je mehr wird sich der Widerstand gegen den Frieden
verhärten. Und je näher wir dem Ziel kommen, desto gefährlicher wird
dieser Widerstand werden und darum können wir uns nicht zur Ruhe
setzen. Wir müssen einfach auf der Wacht sein."
Dokumentarfilm von Robert Krieg und Monika Nolte
        
ots Originaltext: PHOENIX
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