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Solidarität in der Krise
"Wissenschaft am Donnerstag" fragt, ob Solidarität in Zeiten von Selfies & Singles "out" ist, und erörtert, was das für die Flüchtlingsfrage bedeutet
Doku und Gespräch

Mainz (ots) -

"Wissenschaft am Donnerstag" am Donnerstag, 23. April 2015, 3sat
- Dokumentation "Solidarität in der Krise", 20.15 Uhr
- Gesprächssendung "scobel: Flüchtlinge - Solidarität auf dem 
Prüfstand", 21.00 Uhr
Erstausstrahlungen 

Solidarität ist ein viel gebrauchter Begriff, eine Allzweckwaffe in der gesellschaftlichen Diskussion. Nur: Was ist Solidarität eigentlich, wozu brauchen wir sie? In der Dokumentation "Solidarität in der Krise" von Christian Bock untersuchen Soziologen, Verhaltensökonomen und Neurowissenschaftler, was die Antriebsfaktoren für Solidarität sind. "Wissenschaft am Donnerstag" in 3sat startet mit dieser Dokumentation, bevor im Anschluss um 21.00 Uhr Gert Scobel mit seinen Gästen ein derzeit großes, weltweit drängendes Solidaritätsthema im Konkreten betrachtet: "scobel: Flüchtlinge - Solidarität auf dem Prüfstand".

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Was bringt solidarisches Handeln, außer dem guten Gefühl, einer humanitären Pflicht nachzukommen, wenn der Mensch Bedürftigen hilft - zum Beispiel Flüchtlingen? Was bewegte etwa Martin von Tours, seinen Mantel mit einem Armen zu teilen? Die Antworten der Wissenschaftler sind sehr unterschiedlich: So würde der Hirnforscher sagen, Solidarität provoziere eine Aktivität des Frontallappens, während der Soziologe das Teilen des Mantels als eine Handlung mit gewisser Fairnesspräferenz definieren würde. Der Ökonom hingegen würde sagen, das Teilen sei nutzlos gewesen - besser hätte Sankt Martin eine Mantelfabrik gegründet und den Armen einen Job gegeben. Der Philosoph würde dem solidarisch Handelnden unterstellen, das Teilen sei eine Art Einzahlung in eine "Wohlfühl-Bank", verbunden mit dem Wunsch, alles mit Zinsen zurückzubekommen. Doch in Zeiten von Selfies und Singles scheint die Wohlfühl-Bank eine Art "Bad Bank" für faule Kredite geworden zu sein. Jeder glaubt, mehr einzuzahlen, als er jemals wieder herausbekommen wird. Ist das wirklich so, und wie kann man diese Sichtweisen der Wissenschaft unter einen Hut bringen?

Die Gesprächssendung "scobel" überträgt die Frage nach Solidarität auf ein einzelnes Thema: Wie gehen Industriestaaten mit Flüchtlingen um? Denn zurzeit sind so viele Menschen auf der Flucht, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr - 50 Millionen waren es 2014. Neun von zehn dieser Flüchtlinge wurden von Entwicklungsländern aufgenommen. Moderator Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen, wie solidarisch Industriestaaten mit Menschen sind, deren Leben durch Krieg oder Armut bedroht ist. Welche Rolle kann oder sollte Deutschland dabei spielen? Und gibt es einen Mittelweg zwischen moralischer Verpflichtung, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedenken?

In der politischen Diskussion zum Umgang mit Flüchtlingen und dem Asylrecht wird in Deutschland gerne der Begriff "Willkommenskultur" benutzt. Er soll eine Wertschätzung den Menschen gegenüber signalisieren. "scobel" beschäftigt vor diesem Hintergrund die Frage, dass Europa im Gegensatz dazu Gefahr läuft, sich zu verschließen: Europa hat sich hinter Mauern und Stacheldrahtzäunen verbarrikadiert und zahlt Ländern wie Libyen und Marokko Millionenbeträge für die Abschottung gegen die Migrantenströme und deren Elend. Diese Praxis zwingt die Menschen in die Arme von Schlepper- und Schleuserbanden und zur lebensgefährlichen Flucht über das Mittelmeer. In den vergangenen 15 Jahren sind mindestens 20.000 Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken, so die Schätzung internationaler Organisationen.

In diesen Zusammenhang gehört, dass seit 1. November 2014 auf dem Mittelmeer die Operation Triton unter Führung der EU-Grenzagentur Frontex aktiv ist, deren Zielsetzung es nicht mehr ist, wie zuvor Flüchtlinge auf dem offenen Meer, sondern nur noch im küstennahen Bereich aufzugreifen. Der Schutz der Grenzen steht also im Vordergrund, nicht die aktive Suche nach Menschen in Seenot. Bezahlen diese Menschen die Sicherung unseres Wohlstandes mit ihrem Leben, ist eine Fragestellung der Sendung.

Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen Konzepte, um Fremdheit und Ängste abbauen zu helfen, und die Aufnahme der Flüchtlinge finanzieren zu können, ohne damit einen Zusammenbruch der Sozialsysteme zu riskieren. In der Diskussion geht es auch um die in Frage zu stellende Unterscheidung von Flüchtlingen in "echte Flüchtlinge" und "Armutsflüchtlinge".

Gäste der Sendung sind: 
- Anna Lübbe, Professorin für Grund- und Menschenrechte an der 
Hochschule Fulda sowie Mitglied im "Netzwerk Migrationsrecht" und bei
"Anwältinnen ohne Grenzen"
- Andreas Zick, Sozialpsychologe, Leiter des Instituts für Gewalt- 
und Konfliktforschung in Bielefeld, Mitglied im Rat für Migration und
Vorstand der Amadeu-Antonio-Stiftung
- Andreas Pott, Sozialgeograf, leitet in Osnabrück das Institut für 
Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (Imis)

 
Hinweis für Journalisten: Texte zu den einzelnen Sendungen sowie 
einen Video-Stream der Dokumentation finden Sie unter: 

Doku "Solidarität in der Krise":
https://pressetreff.3sat.de/programm/programmhinweise/artikel/solidar
itaet-in-der-krise/

Gesprächssendung "scobel: Flüchtlinge - Solidarität auf dem 
Prüfstand"
https://pressetreff.3sat.de/programm/programmhinweise/artikel/scobel-
glaubenssache/ 

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