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NABU ehrt Bauernpräsident Sonnleitner mit dem "Dinosaurier des Jahres 2001"

    Bonn (ots) - Der Naturschutzbund NABU hat Gerhard Sonnleitner,
Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), mit dem "Dinosaurier
des Jahres 2001" ausgezeichnet. Sonnleitner erhalte Deutschlands
peinlichsten Umweltpreis für seine konsequente Bremsleistung in
Sachen Agrarwende, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen in
Bonn: "Der oberste deutsche Bauernfunktionär repräsentiert einen
Filz, der die eigene Mitverantwortung für Fehlentwicklungen in der
Landwirtschaft schlichtweg leugnet und gegen jede noch so überfällige
Reform lautstark ins Feld zieht."
    
    Nach einer durch den BSE-Skandal ausgelösten Schrecksekunde hätten
Sonnleitner und der DBV schon zu Beginn des Jahres wieder munter eine
Politik des "Weiter so" propagiert. "Die Bauern als Opfer, schuld an
der Misere sind Politiker, Handel und Verbraucher -- Gerhard
Sonnleitner betreibt Lobbyarbeit auf eine bemerkenswert schlichte
Art", sagte Billen. Zweifellos bekämen gerade viele Kleinbauern das
Leben schwer gemacht, aber weder von Renate Künast noch von den bösen
Verbrauchern, sondern von ihrer eigenen Standesvertretung: "Der
Deutsche Bauernverband hat in den letzten Jahren eine Agrarpolitik
unterstützt, die der bäuerlichen Landwirtschaft zunehmend das Wasser
abgräbt", so der NABU-Bundesgeschäftsführer. Dem DBV gehe es
offensichtlich in erster Linie um Pfründesicherung, damit allerdings
treibe er die organisierte Bauernschaft immer weiter an den Rand der
agrarpolitischen Reformdebatte.
    
    Sonnleitners ständige Litanei gegen jeden noch so überfälligen
Reformschritt -- vom Bundesnaturschutzgesetz bis zur Ökosteuer - habe
im Jahresverlauf schon beinahe groteske Züge angenommen. "Finanzielle
Umschichtungen zugunsten des ökologischen Landbaus, dringend
erforderliche Verbesserungen bei der Tierhaltung, Reduzierung des
Einsatzes von Pflanzenschutz- und Düngemitteln -- dazu fällt dem DBV
nichts weiter ein als ein permanentes Nein", sagte Billen. Der
Interessenvertretung eines Berufsstandes, der pro Jahr mit über 25
Milliarden Mark aus öffentlichen Mitteln subventioniert werde, stehe
eine solche Verweigerungshaltung schlecht zu Gesicht.
    
    Als besonders absurd wertete Billen die ständigen Angriffe
Sonnleitners gegen Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast,
deren angebliche "Hetzparolen" und "landwirtschaftliche Träumereien"
weder Landwirten noch Verbrauchern helfen und Arbeitsplätze in der
Landwirtschaft gefährden würden. "Wenn der DBV-Chef seinen Job nur
halb so gut machen würde wie die Verbraucherschutzministerin, müsste
einem weder um die Agrarwende noch um die Landwirte bange sein",
meinte Billen. Von 1949 bis zum Jahr 2000 habe sich die Zahl der Höfe
in Deutschland von 1,6 Millionen auf 421.000 reduziert, die Zahl der
landwirtschaftlichen Erwerbstätigen von 4,8 Millionen auf 962.000
abgenommen. "Angesichts dieser Bilanz sollte Herr Sonnleitner
gegenüber Renate Künast mit dem Vorwurf der Arbeitsplatzgefährdung
zurückhaltender sein", so Billen.
    
    Als besonders hinderlich für die Umsetzung der Agrarwende
bezeichnete NABU-Bundesgeschäftsführer Billen die Lobbyverflechtungen
in der deutschen Landwirtschaft. So sei es ein Unding, wenn die zum
Großteil aus Steuermitteln finanzierten landwirtschaftlichen
Beratungsgremien vielfach von Bauernfunktionären kontrolliert würden.
Auch seien die skandalösen Zustände in deutschen Putenmastanlagen
eine direkte Folge der marktbeherrschenden Stellung weniger
agrarindustrieller Großunternehmen, so Billen weiter: "Hier wird
wieder einmal moderne Interessenvertretung mit rückwärtsgewandter
Besitzstandswahrung verwechselt."
    
    Mit dem "Dinosaurier des Jahres", der aus Zinn gegossenen und 2,6
Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse, bedenkt der NABU
seit 1993 solche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich
sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe
ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert
erwiesen haben. Die letzten drei Preisträger waren:
    
    2000 Lee R. Raymond, Präsident des Ölkonzerns Exxon
    1999 der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel
          (CDU)
    1998 Otto Majewski, Bundesvorsitzender der Bayernwerk AG
    
    
    
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