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NABU: Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke führen in die Sackgasse

    Kassel/Berlin (ots) - Mit Blick auf das Verfahren über eine Laufzeitverlängerung des RWE  Atomkraftwerks Biblis A vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel hat der  NABU davor gewarnt, ältere Kraftwerke durch Übertragung von Strommengen länger laufen zu lassen. Das Vorgehen der Stromkonzerne führe in die Sackgasse und habe nur das Ziel, den beschlossenen Atomausstieg aufzukündigen. "Die Schrott-Reaktoren von Biblis müssen so schnell wie möglich vom Netz. RWE & Co. brauchen endlich eine klare Ansage, dass jede Übertragung von zusätzlichen Laufzeiten auf die ältesten Atomkraftwerke in Deutschland politisch unerwünscht ist", forderte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. RWE hatte im September 2006 zunächst eine Übertragung von Restlaufzeiten des bereits stillgelegten Reaktors Mülheim-Kärlich auf das Kraftwerk Biblis A beantragt. Das angekündigte Bestreben von RWE, ersatzweise Strommengen vom neueren Atomkraftwerk Emsland auf die alten Biblis-Reaktoren zu übertragen, stelle eine massive Provokation dar und schaffe vor Gericht einen heiklen Präzedenzfall.

    "Profitgier darf nicht vor Sicherheit der Menschen gehen", betonte der Landesvorsitzende des NABU Hessen, Gerhard Eppler. Die im April neu zu bildende hessische Landesregierung rief Eppler auf, gegenüber dem Betreiber konsequent die im Atomgesetz festgeschriebene Abschaltung der Biblis-Reaktoren durchzusetzen. In den vergangenen 30 Jahren sind in Biblis A und B insgesamt 737 meldepflichtige Störfälle aufgetreten. Das älteste und störanfälligste deutsche Doppelkraftwerk war von Herbst 2006 bis Februar 2008 außer Betrieb, weil rund die Hälfte aller Schwerlastdübel falsch montiert worden waren. Diese Stillstandzeiten führen bereits dazu, dass der Atommeiler Biblis A nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen in dieser Legislaturperiode abgeschaltet wird.

    Obwohl im vergangenen Jahr durch Stillstand der Kraftwerke in Biblis, Brunsbüttel und Krümmel 26 Milliarden Kilowattstunden weniger an Atomstrom erzeugt wurden als 2006, konnte Deutschland noch immer einen Exportüberschuss von beachtlichen 14 Milliarden Kilowattstunden erzielen. "Es wird klar, dass das von den Energiekonzernen propagierte Schreckgespenst einer Stromlücke nicht existiert! Stattdessen können wir bis 2012 wie geplant auf die Erzeugungskapazität von insgesamt sechs Atomreaktoren verzichten. Die jetzige Diskussion um Laufzeitverlängerungen ist daher energiepolitisch überflüssig und dient nur den Interessen der Betreiber.", kritisierte NABU-Energieexperte Carsten Wachholz.

    Originaltext vom NABU

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Für Rückfragen: Carsten Wachholz, NABU-Energieexperte, Tel.
030-284984-1617.
Mark Harthun, NABU Hessen, Tel. 06441-67904-16. Im Internet zu finden
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