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BLOGPOST: Auch das kann eine Nachrichtenagentur: Erklären, analysieren, emotionalisieren

Seit gut einem Jahr ist der multimediale Dossierdienst dpa-Story am Markt. Fundierte, exklusive Geschichten, die auf den Doppelseiten von Tageszeitungen ihren Platz finden. Oder auch als längere multimediale Online-Stücke. Ein noch ziemlich neues Spielfeld für eine Nachrichtenagentur, denn hier stehen Analyse und Emotionalität im Mittelpunkt. Petra Kaminsky ist inhaltlich für dpa-Story verantwortlich. TREIBSTOFF fragt nach, wie das junge Format funktioniert.

TREIBSTOFF: Was genau ist dpa-Story?

KAMINSKY: Der Medien-Markt befindet sich in rasantem Wandel. Da geht auch dpa voll mit. Wir reagieren mit vielen neuen Ideen. dpa-Story ist eine davon. Wir reagieren auf den Trend, der einerseits zu kurz, knapp und am besten live geht. Und andererseits wollen viele Nutzer Tiefe und Hintergrund für das intensive Beschäftigen mit einem Thema. Dazu ist dpa-Story ein noch relativ neues Premium-Angebot für den Medienmarkt. Wir erzählen etwa alle zwei Wochen große, wichtige Themen in der Tiefe. In einer neuen, stärker emotionalen oder auch in langer analytischer Form. Und als Paket-Angebot mit vielen Elementen von Video bis Grafik für die verschiedenen Kanäle ob print oder online.

TREIBSTOFF: An welchen Themen seid Ihr aktuell dran?

KAMINSKY: Wir arbeiten grundsätzlich immer über Ressortgrenzen hinweg und versuchen, Themen zu finden, die auf großes Interesse am Lesermarkt stoßen. Also Themen, die zum Beispiel Aufmacher bei großen Magazinen sein könnten. Solche Themen waren in letzter Zeit zum Beispiel eine Geschichte über Kinder und Gewalt. Aber unter dem besonderen Blickwinkel, dass Kinder ihre Eltern schlagen und nicht umgekehrt. Eigentlich ist das ein Tabu-Thema. Wir haben dabei sehr in die Tiefe recherchieren müssen - und echte Fälle gefunden. Aber wir machen auch politische Themen und erklären beispielsweise, wie die Interessen Russlands im Syrienkrieg aussehen und warum das Land dort mit Soldaten aktiv ist. Wir arbeiten heraus, was dahinter steckt und ob das Ergebnis der Intervention für Putin später mal als Erfolg zu verbuchen ist. Oder wir versuchen zu erklären, welche Branchen in Deutschland besonders von Computerisierung und Robotisierung betroffen sind. Wir zeigen auf, welche Arbeitsplätze in Gefahr sind, wenn wir mehr Roboter einsetzen.

TREIBSTOFF: Kürzlich habt Ihr eine intensive Geschichte über das Opfer eines Säureattentats produziert. Kannst du dazu etwas erzählen?

KAMINSKY: Wir haben aus dem Thema eine ganz besondere Geschichte mit hochklassigen Fotos und Video gemacht. Auch das kann dpa-Story sein: sich auf einen einzigen Menschen zu konzentrieren. Eine Frau wurde mit Säure angegriffen und im Gesicht schwer verletzt, so dass sie viele Operationen über sich ergehen lassen musste. Wir haben diese Frau getroffen und mit ihr gesprochen, wie sie heute über den Anschlag denkt. Wie denkt sie über den Täter und wie organisiert sie ihr eigenes Leben? Dieses Einzelschicksal wird dann in einen Zusammenhang gestellt. Wie oft kommt diese Art der Kriminalität vor? Was sind die Hintergründe? Wie reagieren andere Menschen, die ähnliche Verletzungen haben? Das muss dann nicht zwangsläufig ein Säureangriff sein. Es kann auch eine schlimme Verbrennung sein. Es gibt Säureopfer und Verbrennungsopfer, die nur noch abends spazieren gehen, damit sie keiner sieht. Die Frau in unserer Geschichte macht es ganz anders und geht mit ihrer schlimmen Verletzung anders um. Und das hat sie uns erzählt.

TREIBSTOFF: Wenn ihr ein Thema identifiziert habt, was passiert, bevor es richtig losgeht mit der Arbeit? Wie setzt ihr die Teams zusammen? Wie geht das alles genau?

KAMINSKY: Wir arbeiten mit sogenannten fluiden Teams. Das heißt, es gibt eine kleine, feste Struktur. Diese besteht aus mir als Steuerkopf und einem weiteren Steuerkopf für die Bilder und einem Steuerkopf für Bewegtbild. Alles andere drum herum gruppiert sich je nach Thema immer wieder neu. Wir suchen dann den besten Experten, den besten Fotografen und den besten Bewegtbildfilmer für unser jeweiliges Thema. Die Leute müssen zur Bild- und Inhaltssprache passen. Wir haben etwa alle ein bis zwei Wochen ein neues Thema und ein neues Team.

TREIBSTOFF: Ihr arbeitet immer multimedial. Es gibt Texte, Bilder, Videos. Wie funktioniert das alles? Ist es schwierig, diese Teams zusammen zu stellen? Oder ist das alles in der dpa-Gruppe frei verfügbar?

KAMINSKY: Es ist alles vorhanden, aber natürlich nicht frei verfügbar. Wir konkurrieren immer mit anderen Themen um die Kapazitäten. Das geht jedem so, der ein Projekt aufsetzt. Man muss immer im eigenen Unternehmen werben, dass das eigene Projekt besonders wichtig ist, und dass es deshalb die besten Kapazitäten braucht. Ich denke, das ist oft schon der erste Stolperstein für die Story, die man machen will. Wenn schon im Unternehmen die Leute schwer davon zu überzeugen sind, notwendige Kapazitäten freizugeben, dann wird das oft nach außen auch nichts.

TREIBSTOFF: Was ist denn schon mal so richtig in die Hose gegangen?

KAMINSKY: Richtig danebengegangen ist eigentlich noch nichts - toi, toi, toi. Aber manchmal geht im Ablauf etwas schief und wir müssen dann schnell versuchen, zu retten, was zu retten ist. Das passiert besonders beim Zusammenspiel von Wort und Bild. Auch bei Videomaterial. Wenn wir eine Story erzählen wollen, müssen die Bilder dazu mindestens so gut sein wie der Text. Beides darf nicht aneinander vorbeirauschen. Ein Beispiel: Wenn wir im ersten Absatz einen Menschen vorstellen mit einer bestimmten Handlung, dann sollte auch ein Bild gezeigt werden von dieser Person, am besten wie sie diese Handlung ausführt. Wenn man aber gar kein Foto dieses Menschen hat, oder nur ein Foto von einem anderen Tag, auf dem die Person komplett anders aussieht, dann ist tatsächlich ein Fehler passiert. Wir müssen dann versuchen, das zu retten. Also: Text, Bild und Bewegtbild müssen unbedingt zueinander passen, müssen stark miteinander verzahnt sein. Es darf keine Bild-Text-Schere geben. Das passiert aber öfter im Produktionsverlauf und dann ist es ein Problem.TREIBSTOFF: Wie reagieren die Redaktionen, also eure Kunden, auf dpa-Story?

KAMINSKY: Insgesamt ist das Feedback aus den Redaktionen bisher hervorragend. Wir haben schon kurz nach dem Start des Dienstes eine Umfrage bei unseren Kunden gemacht. Es gab einen sehr guten Rücklauf und es wurden viele Fragen gestellt zur Art der Themen, zur Länge der Texte und, und, und. Die Anforderungen von Kunden sind natürlich nicht immer gleich. Das ist aber das klassische Agenturprinzip, mit dem wir gelernt haben zu arbeiten. Wir müssen immer ein Produkt hinbekommen, das für viele verschiedene Medien passend ist. Darüber hinaus haben wir regelmäßigen direkten Kontakt zu unseren Kunden. Unter jeder Geschichte finden sich E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Kunden rufen mich persönlich an. Negative Kritik gab es bisher erfreulicherweise eher selten. Aber es kommt auch vor, dass Kunden bestimmte Geschichten bestellen möchten oder fragen, ob zu einem bestimmten Thema eine Geschichte möglich ist. Wir versuchen dann, auf den Kunden einzugehen und den Wunsch wenn möglich zu erfüllen.

TREIBSTOFF: Welche weiteren Vermarktungsideen gibt es für dpa-Story?

KAMINSKY: Es gibt Überlegungen, unser Bewegtbild-Material intensiver zu vermarkten. Video ist derzeit ein großes Thema. Wenn wir gutes Bewegtbild haben, können wir es als geschnittenen Beitrag oder auch als Roh-Feed anbieten. Grundsätzlich gibt es aber auch Überlegungen, ganze Pakete oder Geschichten, die man vielleicht nochmal überarbeiten könnte, auch anderen Kundengruppen wie zum Beispiel Zeitschriften oder Unternehmens- und Organisations-Publikationen anzubieten. Dafür eignen sich besonders Geschichten aus dem Bereich Medizin, Wissenschaft, Auto und Forschung, die nicht zu hundert Prozent der Aktualität unterliegen. Es gibt bei dpa natürlich auch Kunden, die nicht den Basisdienst abonniert haben, und deshalb nicht automatisch in den Genuss von dpa-Story kommen. Bei ihnen könnte man eine überarbeitete Story gut unterbringen.

TREIBSTOFF: Was muss passieren, damit Du sagst, 2017 war ein Superjahr für dpa-Story?

KAMINSKY: Auf alle Fälle wünsche ich mir, dass wir möglichst viele Stories produzieren, die auf den Doppelseiten unserer Kunden und im Internet gut laufen und eine riesige Resonanz hervorrufen. Es wäre toll, wenn man mehrmals pro Jahr über uns redet und sagt, das war ne' echt große Story, die die da hatten. Super Produkt. Wenn wir mit irgendeiner Story einen Preis gewinnen, wäre ich auch nicht unglücklich. Und dann wünsche ich mir noch, dass es ein Erfolg wird, dass wir mit anderen Agenturen gemeinsam auf dem internationalen Sektor eine Story auflegen. Als ein funktionierendes Agenturnetzwerk. Das planen wir gerade unter dem Namen MINDS Global Spotlight. Wenn das alles klappt, dann mache ich einen großen Haken an 2017 und eine Flasche Schampus auf.

TREIBSTOFF: Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Beitrag ist ein Original-Blogpost aus TREIBSTOFF:

http://treibstoff.newsaktuell.de/dpa-story-petra-kaminsky-interview

Was ist TREIBSTOFF?

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