Greenpeace e.V.

Atompolitik macht der Kanzler
Atom-Gespräch mit Trittin nur unter Teilnahme von Schröder

    Hamburg (ots) - Greenpeace wird dem Gesprächsangebot der
Bundesregierung über die bevorstehenden Castor-Transporte nur
nachkommen, wenn Bundeskanzler Schröder daran teilnimmt. In einem
offenen Brief an Schröder und Trittin hat die Umweltorganisation
heute ihr Interesse an einem Dialog bekräftigt. Da atompolitische
Schlüsselentscheidungen faktisch aber vom Bundeskanzler getroffen
werden, wäre ein Gespräch allein mit dem Umweltminister wenig
sinnvoll. Trittin hat Greenpeace und andere Umweltverbände zu einem
Gespräch am 20. Februar über die bevorstehenden Atomtransporte aus
Frankreich nach Gorleben eingeladen.  
    
    Dass das Thema Atom in der rot-grünen Regierung Chefsache ist,
zeigte bereits die plötzliche Rücknahme des geplanten Verbots der
Wiederaufarbeitung bei den Konsensgesprächen im Januar 1999, das
Schröder unter Brüskierung seines Umweltministers kippte. Auch die
Verhandlungen über die Wiederaufnahme der Atomtransporte zwischen
Deutschland und Frankreich wurden ausschließlich zwischen dem
Kanzleramt und der französischen Regierung geführt.
    
    "Atompolitik wird in Deutschland vom Bundeskanzler gemacht,"
erklärt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace. "Ohne Schröder
wäre die Wiederaufarbeitung deutschen Atommülls heute schon verboten.
Neue Atommüll-Lieferungen nach Frankreich, die jetzt durchgesetzt
werden sollen, hätte es dann nicht gegeben. Gespräche machen nur
Sinn, wenn wir mit demjenigen reden, der die neuen Atomtransporte
auch verantwortet."
    
    Der geplante Transport von deutschem Atommüll aus Frankreich nach
Gorleben ist die Voraussetzung für eine ganze Kette neuer Lieferungen
aus den deutschen Atomkraftwerken in die Wiederaufarbeitungsanlagen
nach Frankreich und Großbritannien. Leidtragende sind die Menschen,
die im Umfeld der Atomfabriken in La Hague und Sellafield leben. Sie
werden durch deren radioaktive Ableitungen nachhaltig geschädigt.
    
    Aus diesem Grund schlägt Greenpeace in dem offenen Brief vor, dass
Betroffene aus La Hague und Sellafield an dem Gespräch mit Schröder
und Trittin teilnehmen, um ihre Sichtweise zu den anstehenden
Atomtransporten zu erläutern.  
    
    Die Bundesregierung rechtfertigt den bevorstehenden Atomtransport
von La Hague nach Gorleben mit der nationalen Verantwortung
Deutschlands gegenüber Frankreich. "Wenn es Rot-Grün damit Ernst ist,
heißt das doch zu allererst, dass kein Gramm Atommüll mehr nach
Frankreich geliefert wird. Das Gegenteil aber ist der Fall. Der
jetzige Rücktransport hat allein den Zweck, neue Atommüll-Lieferungen
nach Frankreich zu ermöglichen." Greenpeace fordert ein sofortiges
Verbot der Wiederaufarbeitung und den Stopp der geplanten
Atomtransporte.
    
ots Originaltext: Greenpeace e.V.
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