Greenpeace e.V.

Kein Konsens bei Gen-Pflanzen
Greenpeace-Recherche: Trotzdem zwei Gen-Mais-Sorten zugelassen

    Hamburg (ots) - Greenpeace begrüßt die Entscheidung von
Bundeskanzler Schröder, den Anbau genmanipulierter Pflanzen in
Deutschland nicht voranzutreiben. Die für Donnerstag geplanten
Gespräche mit der Industrie über ein gemeinsames Gentechnik-Programm
wurden abgesagt. Nach Recherchen von Greenpeace ist in diesem Jahr
trotzdem mit dem großflächigen Anbau genmanipulierter Pflanzen zu
rechnen: Für mindestens zwei Gen-Mais-Sorten liegen bereits
Sonderzulassungen des Bundessortenamtes vor. Greenpeace fordert,
angesichts der breiten Ablehnung der Bevölkerung von Gentechnik in
Lebensmitteln das Saatgut nicht zu verkaufen und den Anbau zu
stoppen.
    
    Die Zulassung erlaubt den Firmen, jeweils zehn Tonnen des
genmanipulierten Saatgutes an die Landwirte zu verkaufen. Es handelt
sich dabei um Maissorten, die gegen Pflanzenschutzmittel resistent
sind und in die ein Insektengift eingebaut wurde.
    
    "Die Regierung hat zwar erkannt, dass die Interessen der
Verbraucher vorgehen", sagt Christoph Then, Gentechnik-Experte bei
Greenpeace. "Jetzt muss sie aber nicht nur bei BSE, sondern auch bei
der Gentechnik mehr Umwelt- und Verbraucherschutz durchsetzen. Daher
darf es keinen kommerziellen Anbau von genmanipulierten Pflanzen
geben. Gentechnik in Lebensmitteln und auf dem Acker ist nicht
konsensfähig. Das zeigen Umfragen in Europa genauso wie die
öffentliche Diskussion in den USA."
    
    Eigentlich sollte morgen das Ergebnis der Verhandlungen für ein
dreijähriges Forschungsprogramm für genmanipulierte Pflanzen
präsentiert werden. Im Rahmen der Regierungsgespräche sollte sich die
Industrie dazu verpflichten, Gen-Pflanzen nur im Rahmen dieses
Forschungsprogrammes anzubauen. Dafür sollte die Regierung den
Konzernen großflächige Anbauflächen einräumen. Zusätzlich wollte die
Regierung die Markteinführung genmanipulierter Produkte unterstützen.
    
    Jetzt zog die Regierung die Notbremse: Sie befürchtet, dass die
Verbraucher wegen der BSE-Krise derzeit einen Konsens mit der
Gentechnik-Industrie ablehnen würden. Die Neuverteilung der Aufgaben
zwischen den zuständigen Ministerien verschärft offensichtlich die
Probleme der Bundesregierung: Das Ministerium für Verbraucherschutz
und Landwirtschaft soll in Zukunft für den Bereich Gentechnik und
Lebensmittel federführend sein. Doch für die Zulassung
genmanipulierter Pflanzen soll das Gesundsheitsministerium zuständig
bleiben, das die Einführung der Gentechnik unterstützen will.
    
    "Die neue Initiative zum Verbraucherschutz darf nicht durch einen
Fehlstart beschädigt werden. Mit dieser Verteilung der Aufgaben
zwischen den Ministerien wird aber genau das passieren. Die Regierung
muss erkennen, dass sie sich unter diesen Bedingungen mit der
Gentechnik ein ähnliches Problem einhandeln könnte, wie mit der
BSE-Krise", erklärt Then.
    
    
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