Greenpeace e.V.

Atomindustrie trickst: Zwischenlager sollen AKW-Betrieb für Jahrzehnte sichern

    Hamburg (ots) - Greenpeace lehnt neue Zwischenlager für Atommüll
an den Atomkraftwerken ab, da die Lagerkapazität für die abgebrannten
Brennstäbe in Deutschland etwa verdoppelt würde. Wie gestern bekannt
wurde, haben die Betreiber der Atomkraftwerke (AKWs) allein im
Dezember neun Anträge für den Bau von Zwischenlagern für 12 AKWs
gestellt. Damit könnten die Anlagen noch jahrzehntelang weiterlaufen,
obwohl zurzeit über den Ausstieg verhandelt wird. Die Zwischenlager
würden z.B. im AKW Brunsbüttel für rund 90 Jahre Platz für
abgebrannte Brennelemente bieten, in Krümmel für etwa 60 Jahre, in
Grohnde und Brokdorf jeweils für knapp 40 Jahre.
    
    "Die AKW-Betreiber verraten mit ihren Anträgen, dass sie keinen
Konsens mit der Regierung über den Atomausstieg wollen", sagt
Greenpeace-Experte Roland Hipp. "Die Bundesregierung darf nicht auf
diesen Trick hereinfallen und den Betrieb der AKWs indirekt
verlängern. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die Forderung
nach neuen Zwischenlagern zurückzuweisen. Sie sollte auch der
Atomindustrie klarmachen, dass die Betriebsgenehmigungen ihrer AKWs
auf dem Spiel stehen, da das Entsorgungsproblem des Atommülls nicht
gelöst ist."
    
    Das Atomgesetz verlangt für den Betrieb der AKWs die "geordnete
Beseitigung" des Atommülls in einem Endlager. Doch ein solches
Endlager existiert nicht. Weltweit muss die Atomlobby eingestehen,
dass sie das Atommüllproblem leichtfertig unterschätzt hat. Damit
steht die Betriebsgenehmigung der Reaktoren auf wackligen Füßen und
kann nur mit dubiosen rechtlichen Hilfskonstruktionen
aufrechterhalten werden. Dazu zählt die "langfristige
Zwischenlagerung", die für insgesamt zehn Standorte beantragt wurde.
    
    Greenpeace hält es für richtig, das Verschieben des Atommülls in
die Wiederaufarbeitungsanlagen im Ausland aufzugeben. Die Umgebung
dieser Anlagen ist bereits hoch radioaktiv belastet. Daher ist die
Zwischenlagerung als Notlösung in begrenztem Rahmen zu akzeptieren.
"Wir haben einen Abschaltplan erarbeitet, der den AKWs Restlaufzeiten
zugesteht, bis ihre bereits bestehenden internen Lagerbecken voll
sind. Dann müssen die Reaktoren vom Netz. Die neuen Anträge würden es
den Betreibern jedoch erlauben, noch mehrere Jahrzehnte Strahlenmüll
zu produzieren", so Roland Hipp.
    
    Zwischenlagerhallen wie in Ahaus und Gorleben können die Umwelt
nicht sicher vor Radioaktivität abschirmen. Das müssen allein die
Behälter gewährleisten. Doch an deren Sicherheit gibt es massive
Zweifel. Erst vor zwei Wochen musste die nordrhein-westfälische
Landesregierung zugeben, dass ein Großteil der in Ahaus lagernden
Castoren bereits nach fünf Jahren Rostschäden hat. Die Behälter sind
aber für eine Lagerdauer von 40 Jahren ausgelegt. Rostschäden an den
Behälterdeckeln können dazu führen, dass die Castoren undicht werden
und Radioaktivität in die Umwelt entweicht.
    
    
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