Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Noch immer im Abseits
Trotz vieler Titel bleibt die Begeisterung für die Fußball-Frauen aus. Schuld sind auch DFB und Uefa. Leitartikel von Alex Huber

Regensburg (ots) - Sie gewannen zwei Weltmeisterschaften, holten die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2016 und triumphierten bei sechs der bisher acht ausgetragenen Europameisterschaften. Dennoch findet die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen noch immer kaum Beachtung. Namen wie Däbritz, Laudehr und Mittag sind nur wenigen ein Begriff. Der Damen werden vielfach belächelt und stehen im Schatten. Der Fokus richtet sich vielmehr auf den Fußball der Männer und andere Sportarten - und das völlig zu Unrecht. Schuld an diesem Missverhältnis zwischen Erfolg und öffentlicher Anerkennung haben nicht zuletzt die Uefa und der DFB selbst. Mit der WM 2011 im eigenen Land schien der Frauen-Fußball eine neue Dimension zu erreichen. Nie zuvor war das Interesse am Sport der Damen so groß. Doch schnell stagnierte die Begeisterung, als die DFB-Auswahl im Viertelfinale gegen den späteren Turniersieger Japan ausschied. Mit der WM in Deutschland und dem erhofften Titelgewinn wollte der DFB die Frauen an die Popularität der Männer heranführen. Weil die Fußballerinnen dem Druck diesmal nicht standhielten, schlug das Vorhaben fehl. Sechs Jahre später bestreiten die DFB-Frauen ihre EM-Partien in halbleeren Stadien. Die (Fernseh-) Zuschauer blicken lieber auf die Tour de France oder auf eines der Testspiele von Borussia Dortmund oder des FC Bayern in China. Die Auslandsreisen der finanzstarken männlichen Profi-Teams dienen einzig der noch besseren Vermarktung. Sportlich sind die Partien nahezu belanglos. Bei der Tour de France sind die deutschen Ambitionen spätestens seit dem Aus von Marcel Kittel passé. Für die DFB-Damen, die bei der EM in den Niederlanden als Top-Favorit auf den Titel gelten, begeistert sich kaum jemand. Nicht einmal die Uefa bringt ihrem eigenen Event die angemessene Wertschätzung entgegen. Vielmehr lässt sie es verkümmern. Auf der offiziellen EM-Homepage des europäischen Fußball-Verbandes finden sich nur spärliche Informationen und magere Nullachtfünfzehn-Berichte. Bei Turnieren der Männer wird dagegen sogar Jogi Löws Scherz mit einem Balljungen inszeniert. Die Anerkennung der Uefa fehlt, vielleicht weil die internen Experten den Frauen-Fußball für kaum vermarktbar halten. Begleitet vom ständigen Vergleich mit dem Männer-Fußball führen die Frauen einen harten Kampf um Anerkennung. Dabei ist der Fußball der Frauen sogar der ehrlichere. Theatralische Schauspieleinlagen, Tätlichkeiten oder Rudelbildungen sieht man selten. Während sich die Männer immer unsportlicherer Mittel bedienen, pflegen die Frauen die ursprüngliche Kultur des Spiels. "Frauen heulen weniger rum, liegen nie am Boden", erklärte kürzlich Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann. "Wir empfehlen Schwimmen, Leichtathletik, Turnen oder Skilaufen. Das sind eher frauliche Betätigungen", sagte einst Max Morlock, Weltmeister von 1954. Noch immer scheint er damit vielen Fußballfans aus der Seele zu sprechen. Behauptungen, Frauen-Fußball sei zu schlecht, zu langsam und zu langweilig, sind falsch. Dass Frauen in Sachen Dynamik vielleicht noch etwas hinterherhinken, liegt in der Natur der Sache. Doch das Niveau des Frauen-Fußballs entwickelt sich rasend schnell - während man bei den 0:8- und 0:7-Siegen der DFB-Elf von Jogi Löw in der WM-Quali gegen San Marino gewiss nicht von Spannung sprechen kann. Wer erkennt, dass Frauen keinen Männer-Fußball spielen, hat den Sport verstanden. Frauen spielen Frauen-Fußball -nicht nur erfolgreich, sondern auch attraktiv - und das hat nichts mit den schöneren Fußballwaden zu tun.

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