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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Kardinal Müller: Der Schatten Ratzingers von Julius Müller-Meiningen

Regensburg (ots) - Sieben Monate vor seinem Rücktritt berief Papst Benedikt XVI. den ehemaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der Glaubenskongregation in den Vatikan. Die Berufung kann man im Nachhinein durchaus als Sorge um theologische Kontinuität interpretieren. Müller und Ratzinger sind auf einer theologischen Linie. Das kann man von Papst Franziskus und seinem von Ratzinger übernommenen obersten Glaubenshüter nicht behaupten. Seit der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens Amoris Laetitia im April, in dem Franziskus wichtige theologische Leitlinien skizziert hat, ist offensichtlich, dass der Präfekt der Glaubenskongregation und Papst Franziskus völlig unterschiedliche theologische Vorstellungen haben. Das gilt insbesondere für die umstrittene Frage der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Deshalb wird nun auch verstärkt über Müllers Ablösung in Rom spekuliert. Im Herbst stehen einige Nominierungen im Vatikan an, die römische Zeit des Kardinals könnte dann zu Ende gehen. Eine Ablösung Müllers wäre folgerichtig. Bislang schreckte Franziskus vor der Auswechslung des deutschen Kardinals zurück, eine Abberufung wäre einem Misstrauensvotum auch gegenüber Ratzinger gleichgekommen. Mit der Berufung des Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn, laut Franziskus ein "großer Theologe", könnte der Papst diese Klippe umschiffen. Auch Schönborn war Ratzinger-Schüler, liegt heute aber voll auf der Franziskus-Linie.

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