Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Mütterpower, Väterglück - Jedes Jahr wird viel Geld für Familien ausgegeben, aber unsere Gesellschaft muss kinderfreundlicher werden. Von Reinhard Zweigler

Regensburg (ots) - Kinder bekommen die Leute von alleine, hatte Alt-Kanzler Konrad Adenauer einst erklärt. Dass sich Politik in Deutschland jahrzehntelang eher um die Älteren kümmerte - auch weil die begehrte Wähler sind -, als um Kinder und junge Familien, hat seine Spuren hinterlassen. Nicht nur der sogenannte "Pillenknick" hat dazu beigetragen, dass die Bevölkerungspyramide auf dem Kopf steht. Immer weniger junge Leute haben es mit immer mehr Älteren zu tun. Dieses seit vielen Jahren bekannte Problem bringt das Rentensystem in arge Nöte. Gerade haben SPD und CSU das Thema Rente schon mal zum Wahlkampfschlager für das Jahr 2017 ausgerufen. Doch das zu erwartende Herumdoktern am Rentensystem ist kurzatmig, hektisch, im Fall der dramatisch abgestürzten SPD vielleicht sogar panisch. Die Frage, die die Gesellschaft eher umtreiben und beantworten sollte, lautet dagegen: Wie kann unser Land kinder- und familienfreundlicher werden? Denn die beste Vorsorge sind mehr Kinder. Das gilt in der Familie wie in der Gesellschaft insgesamt. Flüchtlinge, die möglicherweise dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen, können das Problem der Alterung der deutschen Gesellschaft jedenfalls nicht lösen. Wie immer, wenn solche Fragen diskutiert werden, ist man schnell beim Geld. Die einen verweisen auf die zig Milliarden Euro, die der Staat in jedem Jahr für Familienleistungen ausgibt. Andere stellen berechtigterweise die Frage, ob das viele Steuergeld auch wirklich wirksam ausgegeben wird. Es wäre Zeit für einen ordentlichen, vorurteilsfreien Kassensturz. Doch den traut sich die derzeit regierende Koalition offenbar nicht zu. Und so werden alte, teure Zöpfe wie das Ehegattensplitting - eine heilige Kuh der Union - leider nicht gekappt. Dabei sollten diese Milliarden viel besser in wirkliche Familien-, genauer Kinderförderung, fließen. In den weiteren Kita-Ausbau etwa, in bessere frühkindliche Bildung, in Schulen, Berufsschulen und Hochschulen. Gerade weil Deutschland weniger Kinder hat, müssen deren Talente frühzeitig erkannt und gefördert werden. Und die vielen Tausend jungen Leute, die ohne Schul- und Berufsabschluss dastehen, brauchen eine zweite Chance. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass nicht nur die Gesellschaft, sondern vor allem die Arbeitswelt kinder- und familienfreundlicher wird. Auf eine bayerische Initiative hin wurde gesetzlich durchgesetzt, dass Kinderlärm in der Nachbarschaft kein Grund mehr ist, eine Kindereinrichtung zu verhindern oder schließen zu lassen. Gut so! Die Gesellschaft ist im Wandel begriffen. Auch in der Berufswelt hat sich bereits einiges bewegt. Mit viel Getöse wurde von der Berliner Koalition etwa eine Frauenquote für die Vorstände von ein paar Dutzend Großunternehmen auf den Weg gebracht. Nur ist das bestenfalls ein Symbol: Wir tun was! Die "gläserne Decke" der Männernetzwerke wird damit kaum durchstoßen. Noch immer haben es ganz besonders junge Mütter - aber auch Väter - schwer, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Dabei ist Mütterpower nicht nur in der Familie gefragt, sondern auch in den Unternehmen. Wer das "Unternehmen Familie" erfolgreich managt, wer Kochen, Geschichtenvorlesen, Basteln und Tränen trocknen kann, wird diese multiplen Fähigkeiten auch im Beruf nutzbringend einbringen können. Man muss die Frauen und Mütter, die dies wollen, nur lassen und ihnen die Chance dazu geben. Immer mehr Unternehmer beherzigen dies. Aber es sind noch zu wenige. Glücklichen Müttern und Vätern geht auch die Arbeit leichter von der Hand. Übrigens: Am Sonntag ist Muttertag.

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