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Mittelbayerische Zeitung: Wohin steuert BMW? Im Jubiläumsjahr steht der weiß-blaue Konzern vor der wichtigsten Weichenstellung der Geschichte. Von Christine Hochreiter

Regensburg (ots) - Heute wird erst einmal gefeiert: eine Firmenhistorie, die trotz strategischer Fehler und Krisen von Erfolg gekrönt ist, eine starke Automarke und die Tatsache, dass BMW-Beschäftigte besonders stolz darauf sind, gerade bei diesem Unternehmen zu arbeiten. Heute wird vor allem im Mittelpunkt stehen, was den weiß-blauen Autobauer auszeichnet - das, was war, und das, was ist, sowie die Freude am Fahren, die Jahrzehnte überdauert hat. Wie es weitergeht, soll erst ein wenig später Thema sein: am 16. März, wenn Vorstandschef Harald Krüger bei der Bilanzpressekonferenz in München die Strategie präsentiert, mit der er BMW in die Zukunft steuern möchte. Dass die Branche vor einem tiefgreifenden Wandel - wenn nicht gar vor einer Revolution - steht, war bereits seinem Vorgänger Norbert Reithofer bewusst. Dieser hat bei BMW die Karbon-Ära eingeleitet. Der Elektroflitzer i3 bedeutete den Start in eine neue Welt. Während Wettbewerber auf Elektroautos setzten, bei denen nur der Verbrennungsmotor durch Batterien ersetzt wird, haben die Münchner ein völlig neues Fahrzeug konstruiert. Karbon ist der leichteste Stoff, der sich im Karosseriebau ohne Sicherheitseinbußen einsetzen lässt. Wenn es nach BMW geht, soll er die Branche grundlegend verändern. Denn je leichter Elektrofahrzeuge sind, desto kleiner können Akkus werden, ohne dass die Reichweite schrumpft. Bislang wurden die Erwartungen aber nicht erfüllt. Mit Blick auf die Kosten lässt schließlich auch die allgemeine Begeisterung für Elektroautos zu wünschen übrig. Für BMW ist das allerdings nicht mit einer Abkehr von der Karbon-Strategie verbunden. Nur weil sich das Kundenverhalten vielleicht zu langsam anpasse, dürfe man das - im übrigen milliardenschwere - Projekt i an sich nicht in Frage stellen, sagte Reithofer einmal. Im Wettbewerb der Autokonzerne geht es allerdings schon lange nicht mehr nur um die Art der Motorisierung. Vor allem die Digitalisierung und der Trend zum autonomen Fahren machen neue Antworten erforderlich. Autos entwickeln sich zu fahrenden Computern, und die Hersteller müssen ordentlich Gas geben und ihre Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Dabei ist die Frage zu klären, wie die Menschen Autos in Zukunft nutzen. Wollen Sie es nobel und luxuriös? Wünschen Sie sich, dass möglichst alles an Bord ist, was Hightech kann? Wie sieht es mit (teil-)autonomem Fahren aus? Gibt es viele Leute, die die Autos ausschließlich im Stadtverkehr fahren? Die Bedürfnisse der Verbraucher werden je nach Region, Geschlecht, Alter und individuellen Präferenzen anders ausfallen. Fakt ist: Immer weniger - vor allem jüngere - Menschen wollen sich ein eigenes Auto kaufen. Sie teilen sich gegebenenfalls ein Fahrzeug lieber mit anderen. Dieser Trend hat einschneidende Konsequenzen - auch für den 100 Jahre alten Autohersteller BMW. Er bedeutet, dass die Münchner nicht mehr "nur" Autos bauen können. Gefragt sind nunmehr auch intelligente Mobilitätskonzepte "made in Bavaria". BMW-Chef Krüger muss dafür sorgen, dass der Autohersteller seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben kann - zunächst wohl einmal auf Sicht von einer Dekade. Den engen Kontakt zur IT- und Elektronikbranche sucht er schon lange. Es ist ihm bewusst, dass es fatal sein kann, wenn man wichtige technologische Entwicklungen verschläft. Mit Blick auf die neue Konkurrenz von Google, Apple und Co. will der Konzernlenker noch in diesem Jahr rund 500 IT-Experten einstellen. An den ostbayerischen Standorten Regensburg, Wackersdorf, Landshut und Dingolfing sind allein 32 000 Menschen direkt bei BMW beschäftigt. Von den vielen Jobs bei Zulieferern erst gar nicht zu reden. Es ist also auch von größter Bedeutung für die Region, dass der weiß-blaue Konzern die Kurve in die Zukunft bekommt.

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