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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Marianne Sperb zu Bewertungsportalen

Regensburg (ots) - Das Leben könnte einfach sein, wenn wir nicht die Konsequenzen tragen müssten für das, was wir sagen, schreiben oder tun. Aber so funktioniert das Leben nicht. Ärzte zum Beispiel müssen die Folgen abwägen für die Diagnose, die sie stellen, den Rat, den sie geben, oder die Operation, die sie durchführen. Andernfalls drohen empfindliche Konsequenzen. Umgekehrt ist das anders: Internet-User sind recht gut davor geschützt, die Folgen zu bedenken, wenn sie Mediziner auf Online-Portalen bewerten. Journalisten zum Beispiel nennen ihren Namen, wenn sie kommentieren. Im Fall von Pegida werden sie dafür dann als "Lügenpresse" beschimpft - anonym natürlich. Im Unrechtsstaat bietet der Schutz der Anonymität die - oft einzige wirksame - Chance, Missstände aufzudecken. Im Rechtsstaat wird das Recht auf freie zunehmend mit dem Recht auf verdeckte Meinungsäußerung verwechselt. Wir dürfen Ärzte und den Rest der Welt beurteilen, ohne uns zeigen. Das bedeutet den Dispens vom Denken. Der Schreiber ist befreit von der Pflicht, gut zu überlegen, abzuwägen - und dann zu entscheiden, ob er auch steht zu dem, was er schreibt.

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