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Mittelbayerische Zeitung: Britische Charmeoffensive
Kommentar zum Deutschlandbesuch der Queen

Regensburg (ots) - Dieser Staatsbesuch der Queen dürfte wohl ihr letzter in Deutschland sein. Zwar ist Elizabeth für ihre 89 Jahre noch erstaunlich rüstig, aber Auslandsvisiten überlässt sie mittlerweile lieber anderen Mitgliedern des Königshauses wie Prinz Charles oder dessen Sohn Prinz William, die sie in Übersee zu vertreten haben. Umso bedeutender darf man es daher einschätzen, dass sich die Queen noch einmal den Strapazen eines dreitägigen Staatsbesuches ausgesetzt hat. Die Visite ist ein Zeichen dafür, wie wichtig London die bilateralen Bande geworden sind. In London hat man die strategische Entscheidung getroffen, mit dem wichtigsten Partner in Europa auf Schulterschluss zu gehen. Staatsbesuche waren schon immer eine der wirksamsten Instrumente im Geschäft der Völkerverständigung. Und die Queen als diplomatische Wunderwaffe ist unschlagbar. Diesmal lautete ihre Mission: Großbritannien in Europa halten. Denn Premierminister David Cameron hat eine Volksabstimmung über den britischen Verbleib in der Europäischen Union zu gewinnen. Cameron will eine Reihe von Änderungen in der EU durchsetzen und Kompetenzen von Brüssel zurück an nationale Parlamente "repatriieren", und dafür braucht er die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schon seit zwei Jahren ist zu beobachten, wie energisch die Briten auf Schmusekurs mit Deutschland gehen. Besonders deutlich wurde das im letzten Jahr, als Bundeskanzlerin Merkel zu einem sechsstündigen Arbeitsbesuch in London weilte. Was damals in den Terminplan alles hineingepackt wurde, hätte auch für einen Staatsbesuch ausgereicht: Rede im Parlament, Lunch in der Downing Street, Tee bei der Queen. Es war, wie ein Sprecher der Downing Street unterstrich, der "roteste aller roten Teppiche", den man ausrollen konnte. Der Staatsbesuch der Queen war jetzt die Krönung dieser Charmeoffensive.

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