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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Sonnenfinsternis/Blackout: Kein schwarzer Freitag, von Claudia Bockholt

Regensburg (ots) - Nicht nur finster, sondern zappenduster drohte es gestern im Land zu werden. Sofi war eine ernstzunehmende Gegnerin für die deutschen Stromnetzbetreiber - jedenfalls hatten die großen Vier im Vorfeld der Sonnenfinsternis vom "Stresstest" für das Netz gesprochen und sogar die gefürchteten Blackouts nicht ausgeschlossen. Doch es gab freudige Entwarnung: Die Leitungen hätten die enormen Schwankungen ausgehalten, hieß es am Mittag. Alles doch nur lobbygesteuerte Bangemacherei, politisches Kalkül im Streit um die Energiewende, wie etwa User auf der Webseite photovoltaikforum.com mutmaßten? Oder war die Angst, dass die Lichter ausgehen, reell? Tatsache ist, dass es nie zuvor so viel von der Sonne erzeugten Strom in Europa gab. Bei der vorhergehenden Sonnenfinsternis 1999 war die Zahl der Photovoltaikanlagen äußerst überschaubar, von riesigen Solarparks noch gar nicht die Rede. Jetzt liefert die Photovoltaik 38 Gigawatt - und zeichnet sich eigentlich durch sehr hohe Einspeise-Zuverlässigkeit aus. Es ist eben wahrscheinlicher, dass ein Großkraftwerk ausfällt, als dass tausende kleine "Kraftwerke" gleichzeitig vom Netz gehen. Insofern verzerren die hysterische Alarmstimmung der letzten Tage, die Sorgen um die Belastbarkeit einer Stromversorgung durch Solarenergie die Wirklichkeit. Die nächste kalte Sofi sollte Versorgern und Netzbetreibern in jedem Fall weniger Sorgen bereiten. Sie haben jetzt sieben Jahre Zeit, unter anderem größere Speicherkapazitäten zu schaffen. Allerdings wird der Anteil der Sonnenenergie bis dahin wiederum erheblich gestiegen sein. Deshalb ein Tipp für 2022: Warum nicht die Verbraucher bitten, den Stromverbrauch zu drosseln, bis der Mond sich wieder verzogen hat? Das könnte klappen. Nach den Diskussionen um Sinn und Unsinn der Energiewende ist auch dem Letzten wenigstens dieses Licht aufgegangen: Strom kommt nicht aus der Steckdose.

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