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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum Ende der Kurzwelle: Aus für "Feindsender", von Fritz Winter

Regensburg (ots) - Bam, bam, bam, baam: "Hier ist England, hier ist England". Millionen Deutsche pressten im Zweiten Weltkrieg heimlich unter der Bettdecke ihr Ohr an den Radiolautsprecher. Im Gegensatz zur Nazi-Propaganda erfuhren sie bei der BBC London die Wahrheit über den Kriegsverlauf. Auf "Feindsender" hören stand die Todesstrafe - vielen war das egal. Das deutsche Programm der BBC ist längst verstummt. Und seit Jahren läutet das Todesglöcklein für die Kurz- und Mittelwellenprogramme fast aller Sender in Deutschland und Europa. Ein ganzer Rundfunk-Übertragungsweg geht verloren. Das ist ein großer kultureller Verlust. Zugegeben: Die krächzenden, fauchenden und knatternden Sendungen auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle zu empfangen, war kein großer Hörgenuss. UKW war ein Fortschritt und Digitalradio ist heute in der Qualität unübertroffen. Aber genauso, wie es den Nazis nicht gelang, mit Hilfe von Störsendern die BBC mundtot zu machen, konnte man in der Vergangenheit unzensiert Sender aus der ganzen Welt hören. Vom Radio Freies Europa bis zur Stimme Pekings: Die großen Rundfunkstationen senden heute nur mehr im Internet. Und das ist gefährlich. Wenn der Obrigkeit der Inhalt der Sendungen nicht passt, wird der Saft abgedreht. Nordkorea oder China machen es vor. Mit der Kurzwelle wäre das nicht passiert.

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