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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur US-Gesellschaft: Unsichtbare Grenzen, von Thomas Spang

Regensburg (ots) - Der Tod des 18-jährigen Michael Brown hat einen Nerv getroffen. Und sich in einem Aufschrei aus Schmerz, Wut und Verzweiflung entladen. Nicht nur in Ferguson haben die Afro-Amerikaner genug von unverhältnismäßiger Polizeigewalt, alltäglicher Diskriminierung und struktureller Armut. Leider hat sich ein halbes Jahrhundert nach Unterzeichnung der Bürgerrechts-Gesetze in den USA daran wenig geändert. Dabei sind die allermeisten Amerikaner gewiss keine Rassisten. Sonst hätten sie nicht zwei Mal hintereinander mit Barack Obama einen Schwarzen mit deutlichen Mehrheiten ins Weiße Haus gewählt. Das Problem besteht eher in den unsichtbaren Grenzen, die Lebenswelten und Alltagserfahrungen voneinander trennen. Die meisten Amerikaner können sich schlicht nicht vorstellen, was es bedeutet, arm und schwarz zu sein. Andere blenden es aus. Schäbig ist der Versuch, den Opfern jahrhundertelanger Benachteiligung die Schuld zuzuschieben. Aus historischer Erfahrung wissen die Afro-Amerikaner leider nur zu gut, dass Beten und Bessern nicht die Formel ist, die ihr Los verbessert. Es muss sich strukturell etwas ändern. Vordringlich ist eine Justizreform, die garantiert, dass Schwarze wegen banaler Drogendelikte nicht im Gefängnis landen und damit auf Dauer ihre Aussicht auf einen Job und politische Teilhabe verlieren. Dazu gehört auch der Aufbau einer Bürgerpolizei, die in ihrer Zusammensetzung die Nachbarschaften reflektiert, denen sie dient. Nicht zu vergessen sind dringend nötige Investitionen in Kindergärten, gute Schulen und öffentlichen Nahverkehr. Immer schon bedurfte es tragischer Ereignisse wie die Ermordung des 14-jährige Emmett Till 1955 in Mississippi, die Polizei-Prügel, die Rodney King 1991 in Los Angeles bezog, um Missstände offenkundig und Veränderungen möglich zu machen. Der Tod Michael Browns könnte ein solcher Moment in der Geschichte der USA sein.

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