Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Die Angst ist begründet - Fracking ist zu Recht umstritten. Eine Brücke in die Zukunft der erneuerbaren Energien ist die Methode nicht. Von Christine Strasser

Regensburg (ots) - Die Tallandschaft der Waldnaab ist eingebettet zwischen die welligen, mit Kiefern bewachsenen Hügelketten des Oberpfälzer Bruchschollenlandes. Im Westen ist am Horizont der Parkstein zu erkennen, der als einer der schönsten Basaltkegel der Welt gilt. Würde man sich vor dieser malerischen Kulisse einen ökologischen Alptraum ausdenken, sähe er so aus: Ein Bohrturm taucht auf und verschwindet wieder, irgendetwas wird in die Erde geleitet. Später riecht es nach Edding. Während man sich wundert, bebt schon die Erde. Dann steigt eine Wolke auf. Sie gleicht einer Faust aus grauen Gasen, die in den schwarzen Bauch des Himmels boxt und an ihren Knöcheln orangerot glüht... Mit dieser Passage aus Jonathan Franzens gut zwanzig Jahre altem Roman "Schweres Beben" beginnt ein Kommentar in der Wochenzeitung "Die Zeit" zum Thema Fracking. Überschrieben ist der Artikel mit dem Titel "Neue deutsche Angst". In der Oberpfalz geht diese - von vielen Amerikanern belächelte - Angst um, seit bekannt wurde, dass das Unternehmen Rose Petroleum mit ihrer Tochter Naab Energie GmbH eine Erkundungslizenz für ein 2600 Quadratkilometer großes Gebiet rund um das Weidener Becken erhalten hat. Noch steht in der Oberpfalz kein Bohrturm der Firma, aber die Angst der Menschen ist nicht nur verständlich, sie ist auch begründet. Die Angst treibt nicht nur Menschen um, die über Chancen und Gefahren dieser Fördermethode wenig wissen. Gerade wer sich mit der Methode befasst, spürt rasch Unbehagen. Bei der Anzahl und Art der eingesetzten Chemikalien gibt es widersprüchliche Angaben. Die Anzahl schwankt, je nach Quelle, zwischen einigen Dutzend und einigen hundert. In einem Bericht an den US-Kongress wurden die Namen von rund 750 Chemikalien genannt. Einige von ihnen sollen giftig oder sogar krebserregend sein. Wie viele und welche genau es sind, das bleibt ein Geheimnis der Gasunternehmen. Denn der Chemiecocktail, den sie in die Gesteinsschichten pressen, unterliegt keiner Veröffentlichungspflicht - auch nicht in Deutschland. Bohr-Unternehmer haben bereits vor laufenden Kameras zum Beweis der Unbedenklichkeit ein Schlückchen der Flüssigkeit probiert. Aber eine Öffentlichkeit, die daran gewöhnt ist, von PR-Aktionen in die Irre geleitet zu werden, lässt sich so nicht überzeugen. Unwillkürlich hat man die verstörenden Bilder vor Augen, als japanische Politiker zum Beweis der Unbedenklichkeit Wasser tranken, das aus einer radioaktiven Pfütze im havarierten Atomkraftwerk Fukushima stammte. Hinzu kommt, dass in der Energiebranche schon oft mit falschen Prognosen gearbeitet wurde. Es ist auch noch kein Jahr her, dass die Internationale Energieagentur die USA wegen der rasant steigenden Förderung von Öl und Gas aus Schieferstein zum neuen Saudi-Arabien ausrief. Unlängst kürzte die US-Energiebehörde EIA jedoch ihre Schätzung für die Vorkommen um 96 Prozent. Der Grund: Es sei deutlich schwieriger, die Ölbestände zu Tage zu fördern, als zunächst angenommen. Selbst mit der umstrittenen Methode Fracking sei es nicht möglich, große Mengen Öl aus dem Schiefer zutage zu fördern. Das Versprechen, Schiefergas könnte Deutschland langfristig unabhängig von russischen Gaslieferungen machen, wird wohl nicht zu halten sein. Dafür sind die Vorkommen wahrscheinlich viel zu gering. Hitzig diskutiert wird Fracking vor allem wegen der Sorge um das Trinkwasser. Doch der Energieboom hat noch eine weitere unerwünschte Wirkung. Forscher warnen, dass dabei viel Methan entweicht. Und das treibt den Klimawandel stärker an als Kohlendioxid.

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