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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Ulrich Krökel zu Ukraine

Regensburg (ots) - Die Geschichte der Ukraine-Krise ist auch eine Geschichte vorschneller Zufriedenheit. Immer wieder haben sich jene zu früh gefreut, die auf ein Einlenken des Kremls und der prorussischen Kräfte gehofft hatten. Putin beherrscht die offene Lüge als Mittel der Politik zu gut, um ihm vertrauen zu können. Man erinnere sich: Wochenlang stritt Putin ab, russische Soldaten auf die Krim geschickt zu haben. Nach der Annexion der Halbinsel gab er den Einsatz zu und zeichnete die "Frontkämpfer" mit Orden aus. Es ist deshalb allergrößte Vorsicht geboten, wenn Putin in diesen Tagen in der Ukraine-Krise Kompromissbereitschaft signalisiert. Immerhin gibt es einige vollendete Tatsachen. Der Kremlchef schickte seinen Botschafter zur Vereidigung von Petro Poroschenko nach Kiew und erkannte den prowestlichen Präsidenten damit faktisch an. Putin will auch die russischen Grenzen besser kontrollieren lassen und so den Zustrom prorussischer Kämpfer in die Ukraine bremsen. Im Gegenzug soll Poroschenko die "Anti-Terror-Operation" im Osten stoppen. Der neue Präsident in Kiew ist dazu bereit. Was aber, wenn sich die Milizen in Donezk und Lugansk nicht um die Waffenruhe scheren? Schnell könnten sich erneut alle Friedenswilligen zu früh gefreut haben. Diese Gefahr ist umso größer, als nicht mehr klar ist, wie weit Putins Einfluss auf die Separatisten noch reicht. Kriegsgierige Söldner sind schlechter zu steuern als jene verkappten Soldaten, die der Kreml im März auf die Krim schickte. Worte sind keine Taten.

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