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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Katia Meyer-Tien zu München/Koalition

Regensburg (ots) - Nein, die Welt wird nicht untergehen, weil in München jetzt eine große Koalition regiert. Die großen Konflikte in den vergangenen Jahren verliefen schon längst nicht mehr nur entlang der Parteilinien, sondern auch quer durch die rot-grüne Rathauskoalition: Flughafenausbau, zweite Stammstrecke, Olympia-Bewerbung: Wer die Debatten verfolgte, dem konnten in den vergangenen Jahren ernste Zweifel am Fundament der nun beschworenen rot-grünen "Wertegemeinschaft" kommen. Rot-Grün hat München in den vergangenen 24 Jahren geprägt. Der Ausbau des Radwegenetzes und die Renaturierung der Isarauen sind nur zwei Beispiele gelungener, ökologisch orientierter Stadtentwicklung, die so wohl nur mit dieser Koalition möglich war. Der Mehrheit der Münchner allerdings waren die Dauerquerelen im Stadtrat zu viel. Zwar wählten sie SPD-Mann Dieter Reiter als Oberbürgermeister, die stärkste Fraktion im Stadtrat aber ist nun die CSU. Die große Koalition könnte also die perfekte Umsetzung des Wählerwillens sein. Wäre da nicht dieser schale Beigeschmack, den es hinterlässt, dass Dieter Reiter sich in der Stichwahl mit den Stimmen der Grünen wählen ließ, nun aber doch ohne sie regiert - obwohl sich deren zentrale Forderung nach einer neutralen Besetzung des Kreisverwaltungsreferenten-Postens sehr wohl erfüllen lässt. Und dass es im Koalitionspoker mal wieder mehr um Posten als um Inhalte zu gehen schien, das ist Wasser auf den Mühlen der Demokratiemüden in einer Stadt, in der ohnehin nur 42 Prozent der Bürger zu Wahl gegangen sind. Und für Dieter Reiter ein denkbar schlechter Start in sein neues Amt.

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