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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Erdogan: Schicksal, Von Marianne Sperb

Regensburg (ots) - Arbeitsunfälle passieren, sagt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Das Sterben der Bergarbeiter in Soma ist also Schicksal. Das klingt nach Tragödie der Antike. Denn so ist ihre Grundkonstellation gestaltet: Jeder sieht den Zug unter Volldampf auf sich zurasen - und keiner hält ihn auf. Am Ende sind 284 Menschen tot. Nur: Das Unglück von Soma war keine unausweichliche Naturkonstante, sondern das Ergebnis systematischer Fehlentscheidungen der politisch und der wirtschaftlich Verantwortlichen, und die sichtbare Konsequenz einer Haltung, die sich um Menschenleben nichts schert. Erdogan setzt auf Wirtschaftswachstum, pfeift auf Arbeitsschutz und lässt Minenbetreibern freie Hand, Gewinne über den Schutz von Leben zu stellen. Erdogan wird das Unglück von Soma letztlich wenig anhaben, sagt die Schriftstellerin Meli Kyak im Interview auf "Kulturzeit" bei 3sat. Die Literatin steht für das Lager der jungen, westlich orientierten Türken, die für mehr Mitbestimmung eintreten. Bei den nächsten Wahlen werde wieder jeder zweite Bürger für Erdogan als starken Führer und Wohlstandsbringer stimmen, prognostiziert Kyak. Das klingt nach Schicksal. Aber: Züge lassen sich stoppen. Und Weichen lassen sich neu stellen.

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