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Mittelbayerische Zeitung: Fressen und Moral
Kommentar zu Giftgas

Regensburg (ots) - Keiner, der die Bilder der Opfer des Gasangriffs vom August 2013 in Syrien gesehen hat, kann sie vergessen. Das Entsetzen ist den Männern, Frauen und Kindern noch im Tod ins Gesicht geschrieben. Sollte sich nun herausstellen, dass deutsche Unternehmen einen vielleicht entscheidenden Anteil am Ausbau von Assads Giftgasprogramm - und damit auch am Tod der 1400 Menschen - haben, wäre das ein Skandal. Umso folgerichtiger ist es daher, wenn nun die Generalbundesanwaltschaft die Vorwürfe untersucht. Die Frage ist, ob sich für die beteiligten Firmen Konsequenzen ergeben. Selbst wenn sich herausstellt, dass die Lieferungen illegal waren, könnte es sein, dass die Straftaten längst verjährt sind. Vermutlich aber waren zum Zeitpunkt, zu dem sie abgewickelt wurden, legal. Aber selbst wenn: Geschäfte mit Diktaturen müssten sich von selbst verbieten. Dass im Sinne des Brecht'schen Ausspruchs im Zweifel erst das Fressen und dann die Moral kommt, zeigt sich nicht erst in Syrien: Während sich die Welt darüber empört, was auf der Krim passiert, werden die Stimmen derer laut, die um ihre Geschäfte mit Russland fürchten.

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